Velo-Challenge 2012 Hannover

Sonntag 17 Juni 2012 um 23:05

In diesem Jahr bin ich bisher noch kein Jedermann-Rennen gefahren. Einerseits hatte ich das Gefühl noch nicht in der richtigen Form zu sein, andererseits hat es sich einfach auch noch nicht ergeben. Weder in Göttingen (Tour de Energie), noch in Berlin hätte ich noch rechtzeitig einen Startplatz bekommen können. 

Auch für die Velo-Challenge hier in Hannover, die ja praktisch vor meiner Haustür stattfindet, hatte ich mich bisher noch nicht entscheiden können. Eigentlich wollte ich in dieser Woche die Grenzstein-Trophy fahren, eine Tour an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze vom Prival bis nach Tschechien. Aber auch dafür habe ich nicht die Zeit gefunden mich auf eine solche Tour vorzubereiten.

So habe ich die Gelegenheit genutzt, mich am letzten Tag der Ausschreibung für die Velo-Challenge anzumelden.

Heute nun war es so weit, und meine Hoffnungen zumindest auf trockenes Wetter sollten sich erfüllen. Im letzten Jahr bin ich bei leichtem Miesel-Regen gestartet, mit Armlingen und mit meinem Trainingsrad mit Schutzblechen. Aus Angst vor einem Sturz war ich relativ verhalten gefahren. Ich hoffte, dess es diesmal besser lief.

Im Startblock E traf ich Rossi, ein Mitglied meines Vereins. Gemeinsam warteten wir den Start ab. 

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Während der Wartezeit kam endlich die Sonne heraus und es wurde angenehm warm.

Startblock E

Der Anfang verlief relativ ruhig. Das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer ist recht breit, das Aufnehmen der Geschwindigkeit  verläuft angenehm unaufgeregt. Die ersten Kilometer verliefen sehr gesittet, was ich im Gegensatz zu den Hamburger Cyclassics sehr angenehm finde. 

Es ging über die Brückstr. aus Hannover heraus Rtg. Pattensen. Dass man diese Strecke mittlerweile so gut befahren kann ist auch keine Selbstverständlichkeit. Diese Strecke, die alle Rennradfahrer nehmen, wenn sie vom Strandbad aus Rtg. Deister fahren wollen, war in den vergangenen Jahren aufgrund der vielen Schlaglöcher kaum befahrbar. Mittlerweile wurde sie komplett erneuert und es wurde auch ein gut befahrbarer Radweg gebaut. Vielen Dank an die Region Hannover dafür, und ich glaube auch, dass die Velo-Challenge das positiv beeinflusst hat.

Nachdem wir durch Pattensen hindurch fuhren und Rtg. Hüpede abbogen machte sich ein sehr unangenehmer Seitenwind bemerkbar, der stetig zunahm. Das führte dazu, dass das Feld ziemlich auseinander riss. Die Fahrer suchten irgendwie Windschatten, fuhren dadurch immer hin- und her. Mit der Ruhe war es vorbei.

Erst auf dem Weg hoch zu Holzmühle legte sich dies wieder. Die Steigung ist jedoch nicht so steil, dass eine grossartige Selektion eintreten würde.

Jedoch war mir die Gruppe, die sich gebildet hatte, ein wenig zu langsam. Ich versuche nach vorn wegzukommen. Ich konnte jedoch die Gruppe vor mir nicht erreichen, trotz dass ich sie gefühlt einige Male weniger al 50 Meter vor mir hatte. So kam es, dass ich einige Zeit allein, bzw. dann mit zwei weiteren Fahrern unterwegs war. 

Kurz vor Hamelspringe fuhr dann von hinten eine schnellere Gruppe auf mich auf, der ich mich anschloss. 

Der Strecke über Bakede bis Messenkamp ging dann auch relativ schnell, immer um 40 km/h durch.

Die Strecke aufwärts über Messenkamp und schließlich noch zu Nienstädter Pass lief dann nicht mehr so gut. Ich merkte, dass ich auf der Strecke, die ich allein gefahren war, doch einige Körner gelassen hatte.

Schon vor dem Niestädter Pass konnte man merken, dass der Wind, der vorher die Gruppe auseinander gerissen hatte, jetzt von hinten kam. So konnte ich den Pass runter mit etwas über 70 km/h abfahren, wurde dann aber vor der Schranke gestoppt. Wie letztes Jahr auch hatte ich das Glück, dass die Schranke unten war.

Schranke zu

Und so sammelten sich an der Schranke eine relativ große Gruppe.

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Danach ging es mit Rückwind weiter. Ich konnte mich relativ weit vorn in der Gruppe halten und bin auch ein, zweimal durch die Führung gegangen. Auf der Strecke kurz vor Redderse bis zur Abzweigung zum Gehrdener Berg konnte ich die Geschwindigkeit schön auf 45 km/h hoch ziehen.

Die Verpflegungsstelle oben am Gehrdener Berg war etwas unglücklich. Die Helfer dort waren sehr engangiert, aber haben dadurch auch die Fahrbahn recht schmal gemacht. Wir waren nicht mehr so schnell als wir dort oben ankamen, aber ich möchte nicht wissen wie eng das war, als die erste Gruppe da durchgerauscht ist.

Die Strecke über Ronnenberg wurde zügig gefahren. Ich versuchte nach vorn wegzukommen, aber das war bei der hohen Geschwindigkeit nicht möglich. Über Ihme-Roloven ging es nach Hiddesdorf, und von dort wieder auf die Strecke über Hakenbleck Rtg. Wilkenburg. 

Hier kam der Wind wieder etwas mehr von der Seite und die Gruppe wurde langsamer. Die Gelegenheit habe ich genutzt und mich nochmal lösen können um zur nächsten Gruppe aufzufahren. Zunächst allein, aber es kam mir dann noch ein weiterer Fahrer hinterher,  mit dem ich schließlich an der Brückstr. an der nächsten Gruppe dran war.

So, jetzt ging es schon langsam in die Endphase. Links ab Rtg. Standbad. An der Löwenbastion konnte ich mich nach vorn fahren und befand mich dann in der Gruppe der ersten fünf Fahrer.

Ich kannte logischweise von diesen Fahrern niemanden, also an welches Hinterrad sollte ich mich hängen? Von der rechten Position konnte ich mich in die Mitte der Gruppe an die dritte Position fahren. Rechts und Links versuchte jeweils ein Fahrer sich ebenfalls vorn in die Guppe hinein zu fahren, aber das gelang nicht. 

Wir waren bei ca. 40 km/h und es wollte niemand richtig losfahren. Bei den Fahrern vor mir konnte man merken, dass sie es ebenfalls auf einen Zielsprint ankommen lassen wollten, und vermutlich auch noch die Kraft dafür hatten. 

Noch bevor diese Gruppe richtig Fahrt aufnehmen konnte ging der Fahrer vor mir nach links raus und beschleunigte, ich blieb an seinem Hinterrad. Wir hatten sehr schnell etwas über 50 km/h drauf und ich merkte, dass uns offensichtlich niemand folgte. Vor uns war alles frei. Ca. 80 Meter vor dem Ziel ging ich nach links hinter ihm raus. Ich hatte keine Zeit gehabt richtig Geschwindigkeit aufzunehmen, setzte also relativ langsam zum Überholen an. Aber die Kraft reichte aus. Ich konnte ihm an der Ziellinie fast eine Radlänge abnehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir 55 km/h drauf. 

Ich bin gespannt ob es davon Bilder gibt ;-)

So kam ich nach 3:23:17 Std. glücklich ohne Sturz ins Ziel. Ich habe meine Polar-Uhr noch nicht im Detail ausgewertet, hatte aber einen Durchschnittspuls von 157 und eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 35,2 km/h. 

Mit Bestürzung habe ich dann am Nachmittag auf dem Online-Angebot der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gelesen, dass ein 44 jähriger Radfahrer, der wohl offensichtlich auf der 67 km Strecke war, kurz vor dem Ziel vermutlich aufgrund eines Krankheitsfalls gestürzt ist, und ums Leben gekommen ist. So etwas ist tragisch und mein Mitgefühl gehört den mir unbekannten Angehörigen.

Best Regards

Andi

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