Youngtimer - Wie komme ich auf dieses Auto?

Mittwoch 12 Februar 2014 um 23:21

Alte Autos haben sehr viel Charme, dem kann man schnell erliegen. Aber wie geht man eigentlich bei der Suche vor, wenn man einen Youngtimer haben möchte? Und was sind die Kriterien, die einem schließlich zu seinem Traumauto führt?

Ich kann mal beschreiben, wie ich dazu gekommen bin und welches meine Kriterien waren, genau dieses Fahrzeug auszusuchen. Vielleicht ergeben sich für den ein- oder anderen ein paar Tipps, wie man den richtigen Youngtimer für sich finden kann.

Wie ich schon schrieb hatte ich mir vor einigen Jahren einen alten Mercedes 190 D (Typ w201) zugelegt. Aber nicht, weil ich für dieses Fahrzeug etwas besonderes empfand, sondern weil ich ein günstiges Fahrzeug brauchte, dass günstig und vor allen problemlos lange Strecken bewältigen kann.

Ein Freund von mir empfahl mit einen Baby-Benz, einen 190 D. Der Motor ist lahm, aber unverwüstlich. Und das Fahrzeug eigentlich auch. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich hatte nur wenig Geld zur Verfügung, und zu dieser Zeit waren diese Fahrzeug noch nicht sehr gefragt.

Ich suchte im Internet und fand ein solches Fahrzeug in der Nähe von Hannoversch Münden.  Er war Feuerwehrrot, hatte breite Reifen auf einem tiefergelegten Fahrwerk. Der Innenraum war schon ein wenig heruntergekommen. Teilweise hatte sich der Kleber von der Türverkleidung gelöst und war von dem vorherigen Besitzer liebevoll wieder geklebt worden. Der Lack war gut poliert, das Fahrzeug sah für sein Alter einfach gut aus.

Aus dem neuen Job wurde nichts, aber den Wagen hatte ich und nutzte ihn fortan um zur Arbeit zu fahren.

Einen 190 D zu fahren bedeutet, sich an die Langsamkeit zu gewöhnen. Im normalen Verkehr in der Stadt kann man problemlos mitschwimmen, aber bei der Fahrt auf der Autobahn sollte man lieber rechts bleiben.

Ich fing an dieses Auto richtig zu mögen. Es machte mir Spaß damit herumzufahren, denn aufgrund seiner Farbe und Ausstattung nahm man ihn überall wahr. Er hatte ein unglaublich großes Lenkrad, dass sich mit dem kleinen Finger mit dreieinhalb Umdrehung voll einschlagen ließ. Dann hatte man einen unglaublich kleinen Wendekreis. Erst wenn man in den Wagen einstieg merkte man, wie tief er lag. Denn man musste richtig Kraft im Standbein aufwenden um nicht in den Wagen zu fallen. Bei fast jeder Bodenwelle setzte ich hinten auf. Ich habe viele schöne Stunden mit und in dem Auto verbracht.

Ich musste ihn leider verkaufen, aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, ich würde wieder einen solchen Wagen haben wollen!

Einige Jahre lebte ich dann ohne Auto.

Im vergangenen Jahr begann ich wieder damit, mich für ein Auto zu interessieren und musste feststellen, dass es mittlerweile einen richtigen Hype um diese Fahrzeuge gibt, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Fahrzeuge aus den Baujahren 1988 bis 1995 sind meist noch sehr gut in Schuss, die Ersatzteilversorgung ist noch sehr gut, und die Unterhaltung nicht teuer. Der technische Schnick-Schnack beschränkt sich auf Dinge, die auch noch nach Jahren gut funktionieren. 

Das es wieder ein roter Mercedes sein sollte war mir eigentlich klar. Aber wollte ich wieder einen 190er? Womöglich einen Diesel? Das verbietet sich eigentlich schon wegen der Untauglichkeit für die Innenstadt (Umweltplakette). Also nach einem Benziner schauen? Es stellte sich so langsam die Frage nach dem Motor.

2,6 Liter, Sechszylinder ....

Umso mehr ich mich mit den verfügbaren Motoren beschäftigte, umso mehr interessierte ich mich für die 2.6 Liter-Variante. Die Laufruhe des Reihen-Sechszylinders ist legendär. Der kleine "Sechser" ist gleichzeitig der größte Motor im 190er. Da mein Einsatzzweck ja nicht die tägliche Fahrt zur Arbeit ist, kann ich mit einem der heutigen Zeit unangemessenen Benzinverbrauch ohne weiteres leben, wenn es eine entsprechende Gegenleistung dazu gibt.

Und die gibt es in Form einer hohen Langlebigkeit, einer ausgesprochenen Laufruhe und einer sehr guten Wartungsfreundlichkeit. Die Steuerkette, die in den Vierzylindern gern auch mal reissen kann, hält im kleinen Sechser eigentlich bis ans Lebensende des Motors (wenn nicht irgendwas anderes dazwischen kommt). 

In Sachen Unterhaltungskosten und Steuern ist der 2,6 Ltr. Motor eine gute Alternative für ein Hobbyfahrzeug. Mit 160 PS hat er eine mehr als ausreichende Leistung. Da die Motoren aus diesem Zeitalter noch nicht so auf Drehmoment und Leistung getrimmt waren, darf man sie nicht mit den heutigen Motoren vergleichen. Er ist nicht so durchzugsstark, aber zum lockeren Herumcruisen ist er ideal!

Sehr eindrucksvoll ist der satte Klang von den 6 Zylindern, sowohl im Stand, wie auch beim Anfahren oder beim Gasgeben. Bis 130 hört man im Fahrzeuginneren fast nichts vom Motor. Da überwiegen noch die Windgeräusche, Gibt man dann Gas wechselt der Geräusch zu einem Turbinenmodus. Einfach herrlich, man muss es einfach erlebt haben!

Einen roten 190er mit 2,6 Ltr. Maschine zu finden, der nicht schon 260.000 km runter hatte und in meiner Preisvorstellung lag war schwer. Die wenigen die ich fand hatten meist schon den vierten oder fünften Vorbesitzer, ober waren an der Karosserie mit soviel Korrosion gesegnet, dass es sich nicht gelohnt hätte.

Die in diesem Zeitalter noch gut gepflegten Wagen waren keine 190er. Ich musste mir auch die anderen Modelle anschauen, insbesondere DEN Klassiker schlechthin, den Typ W124!

Es vergingen ein paar weitere Monate, in denen ich aber auch mehr sporadisch suchte. Ich hatte meine Suche mittlerweile auf alle Modelle ausgedehnt. Angetan hatte es mir natürlich auch die CE, aber die waren für mein Einsatzzweck nicht geeignet. Dort hätte ich nur schwer ein Rennrad drin befördern können. Eines Tages stieß ich durch Zufall auf die Anzeige eines Autohändlers im Heißen Draht. Ein W124 - 260 E Limousine in Almadinrotmetallic. Ein Telefonat am nächsten Tag brachte die Erkenntnis, dass das Fahrzeug noch verfügbar war. Ich vereinbarte einen Termin am kommenden Tag.

Was mir da passierte und worauf man bei einem solchen Fahrzeug achten muss, beschreibe ich in einem weiteren Artikel.

Best Regards

Andi

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