Ein packendes Finale

Montag 29 Juli 2013 um 07:30

Das Wetter ist im Moment einfach zu gut als dass ich hätte es schaffen können, meine Etappenbewertungen zu Ende zu führen. Aber das will ich hier nun nachholen.

18. Etappe: Gap > Alpe-d’Huez (172.5 km)

Die Etappe nach Alpe d´ Huez war die letzte wirkliche Möglichkeit für Contador den Gesamtführenden Froome nochmal anzugreifen. Und es war eine unglaubliche Etappe mit zwei Anstiegen über die berühmten Kehren des Skiortes, der sonst nicht anders zu erreichen ist (außer mit dem Hubschrauber vielleicht ...).

Das Jens Voigt es auf seiner vermeintlichen letzten Tour nochmal versucht war klar. Ich hatte bereits früher damit gerechnet und vor allen Dingen auf einer Etappe, auf der er eindeutig mehr Chancen gehabt hätte. Ich habe es ihm gegönnt, aber im zweiten Anstieg konnte man sehen, dass er einfach nicht mehr die Kraft hatte.

Und dass es Rodriguez nochmal schaffen würde sich weiter nach vorn zu fahren, damit hätte ich auch nicht gerechnet. Natürlich ist er ein ausgewiesener Kletterer, und er war in den Bergetappen immer in der  Spitzengruppe dabei, oder zumindest direkt im Anschluss daran unterwegs. Aber dass er es schaffen würde sich klammheimlich weiter nach vorn zu fahren ohne aufzufallen und somit auch nicht unter Druck zu geraten, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber den Tages-Coup hat ein ganz anderer eingefahren. Mit seinem Sieg bei der Fahrt nach Alpe d´ Huez hat Riblon, der bereit in den vergangenen Tagen ebenfalls in den Außerreißergruppen mitgefahren war, für Frankreich etwas besonderes gebracht. Es war schon unglaublich wie er von dem Publikum getragen den Berg hinaufgeschnellt ist. Und man konnte ihm seine Erschöpfung im Ziel deutlich ansehen. Man wird sich insbesondere in Frankreich an seinen Sieg noch lange erinnern, denn er hat für die französische Seele dabei etwas Besonderes geleistet.

19. Etappe: Bourg-d’Oisans > Le Grand-Bornand (205 km)

Zum Schluss der Tour haben sich die Veranstalter nochmal etwas besonderes ausgedacht, um die Spannung zu halten. Nach der Etappe nach Alpe d´Huez meint man, das sei es gewesen. Aber diese 19. Etappe stellte noch mal eine richtige Herausforderung dar.

Und dass die Fahrer mittlerweile auch am Ende ihrer Kräfte waren konnte man an diesem Etappenverlauf erkennen. Schon nach kurzer Zeit zerfiel das Peloton und es bildeten sich unterschiedliche Gruppen. Die Ausreißergruppe war teilweise bis zu 44 Fahrer stark, und das ist schon sehr außergewöhnlich. Das zeigt erfreulicherweise, dass Doping doch nicht mehr an der Tagesordnung ist, denn normalerweise wird man das von einem Gesamtführenden oder der führenden Mannschaft der Mannschaftswertung immer versuchen zu verhindern. Aber wie wenn man keine Kraft mehr hat?

Zwei Fahrer konnten sich aber dennoch ein wenig absetzen, Rolland und Hesjedal. Und so gestaltete sich der Tag so, dass er im wesentlichen daraus bestand, diesen Fahrern hinterher zu fahren. Und es gab keinen der das besser gemacht hat als Rui Costas. Der Portugiese hat ein zweites Mal eine Methode angewandt, zu einem richtigen Zeitpunkt die Verfolgung aufzunehmen, und bei einer Zielankunft nach einer Abfahrt alle Karten auszuspielen. Damit hat er die zweite Etappe mit der gleichen Methode gewonnen.

20. Etappe Annecy > Annecy - Semnoz (125 km)

Diese 20. Etappe war eher davon geprägt, dass es hier nicht um das gelbe, sondern um das gepunktete Trikot ging. Pierre Rolland, der am Start mit einen Punkt hinter Froome den zweiten Platz in dieser Punktewertung inne hatte startete direkt einen Frontalangriff. Er scherte direkt nach dem Start aus und versuchte sich abzusetzen. Ihm haben sich dann auch schnell ein paar Fahrer angeschlossen, unter ihnen wieder mal Jens Voigt. Aber es war schon vor Beginn der Etappe klar, dass sich Movie-Star hier nicht die Kontrolle aus der Hand nehmen lassen wollte. Das war quasi wie eine Ansage, und sie wollten nicht wieder so einen taktischen Fehler machen, wie auf der Etappe, bei der Valverde seinen Anschluss an die Spitzengruppe verlor. Und so kontrollierte Movie-Star das Feld schon früh und ließen die Ausreißer kaum mehr als eine Minute weg. Aber Rolland holt sich seine Punkte, zumindest bis zu vorletzten Berg. Denn da trat Jens Voigt nochmal an und versuche 60 km vor dem Ziel es nochmal im Alleingang. Aber er wird schließlich 8.5 km vor dem Ziel von der Gruppe um das gelbe Trikot eingeholt. Und dort beginnt die Schlacht um das Podium.

Rodriguez weiß, dass er auf keinen der anderen Spitzenfahrer mehr zählen kann. Er kann es nur selbst richten. Contador und Kreuziger werden schon früh von Froome abgehängt. Und so bleiben nur die drei übrig: Froome, Quintana und .... Rodriguez, der in den letzten Tagen kontinuierlich immer weiter nach vor gefahren ist. Er schaut die anderen beiden an und spricht auch mit ihnen. Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen, was er zu den beiden anderen gesagt hat. Aber fakt ist, dass er die Führung auf dem Anstieg übernimmt und nur Quintana und Froome ihm folgen können. Und man kann sehen wie sehr er arbeiten musste.

Nur wenige hundert Meter vor dem Ziel nutzt Quintana die Möglichkeit einen Angriff zu plazieren und fährt den anderen beiden davon. Rodriguez kann auch nicht verhindern, dass auch Froome davon zieht. Aber er hat genügend Vorsprung auf Contador und Kreuzinger herausgefahren, dass es ihm gelingt an den beiden vorbei das Podium zu erreichen. Strahlender Tagessieger: Quintana, der damit nicht nur das weiße Trikot des besten Jungprofis nach Paris trägt, sondern auch das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers, das Rolland so gern gerettet hätte.

21. Etappe: Versailles > Paris Champs-Élysées (133,5 km)

Drei Wochen Strapazen, und jetzt ist der letzte Tag angebrochen. Auf dieser Etappe wird nicht mehr attackiert, bis es auf den Champ-Élysées geht. Man feiert sich, und zwar zu Recht. Ich finde es gut, dass dies so ist, denn das ist der Tag an dem man alles nochmal Revue passieren lassen kann. Man muss sich vor Augen halten, was das für Strapazen sind, die die Fahrer hier auf sich genommen haben. Der, der es bis hier geschafft hat, soll es auch mal ruhig angehen lassen können.

Aber diese Etappe hält auch noch ein absolutes Highlight der Tour vor, das Etappenfinale auf dem Champs-Élysées! Ein letzter Tag für die Sprinter, und ein besonderer dazu.

Dieses mal sollte das Etappenfinale erst abends statt finden, fahren unter Flutlicht sozusagen. Und es war ein tolles Finale. Bereits nach den ersten Kilometer auf dem Champs wird das Tempo merklich erhöht. Millar kann sich absetzen, fährte eine Zeitlang spektakulär direkt vor dem Feld, wird aber 20 km vor dem Ziel wieder einholt. Eine Dreiergruppe mit Valverde, dem Pechvogel dieser Tour, versucht es, kann aber den Abstand nicht halten, als die Sprinterzüge in Bewegung gesetzt werden. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit die Sprinter in Position gefahren werden. Omega liegt dabei in bester Position, aber Argos - Shimano schafft es trotzdem, Kittel direkt vorn abzusetzen. Und was macht der? Er fährt den Sprint von vorn, 80 Meter vor dem Ziel setzt er bereits an, an seinem Hinterrad Cavendish, der noch ein wenig von Greipel bedrängt wird, der sich ebenfalls versucht an das Hinterrad von Kittel zu hängen. Aber nichts ist der unbändigen Kraft von Kittel gewachsen. Er schafft seinen Vorsprung bis ins Ziel zu bringen und gewinnt diese Etappe auf dem Champs-Élysées. Greipel Zweiter! Was für ein Erfolg aus deutscher Sicht!