Bergzeitfahren

Donnerstag 18 Juli 2013 um 10:10

Es kam wie es kommen musste! Das zweite Zeitfahren dieser Tour de France wurde durch den derzeitigen Gesamtführenden Chris Froome gewonnen, mit 9 sek. Vorsprung vor Alberto Contador. Während die ersten Starter noch die besten Wetterbedingungen hatten zog es sich im Verlauf des Tages immer mehr zu und führte schließlich zu ergiebigen Regenfällen. Angesichts der Strecke, die nach dem ersten Berg der Kat. 2 eine kurvige Abfahrt vorsah, kein leichtes Unterfangen.

Der derzeitige Träger des gelben Trikots meisterte dies jedoch aus meiner Sicht erwartungsgemäß. Er hat bereits im ersten Zeitfahren seine Qualitäten diesbezüglich unter Beweis gestellt, und daher war die Prognose auch nicht besonders schwer. Trotzdem wurden die letzten Kilometer der beiden Kontrahenten nochmal zu einem kleinen Radsportkrimi, denn Froome lag bei der letzten Zeitmessung noch hinter Contador.

9 Sekunden Vorsprung sind nicht viel, aber dadurch konnte der Gesamtabstand leicht vergrößert werden. Wenn jetzt nichts Außergewöhnliches mehr passiert ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Froome die Tour 2013 gewinnen wird.

Reflexartig gingen dann aber bspw. bei den Leserbeiträgen zur Berichterstattung auf Spiegel Online die Doping-Beschuldigungen los. Natürlich mutet diese Leistung gemessen an den Strapazen und der gefahrenen Geschwindigkeiten als nahezu unmenschlich an. Aber ist es nicht genau das, was die Tour ausmacht?

Leute aus meinem Bekanntenkreis ziehen die Luft durch die Zähne, wenn ich bspw. sage, dass ich vorgestern 90 km als "Feierabendrunde" gefahren bin, und dann tags darauf nochmal die gleiche Strecke bewältige. Jeder, der mal mit einem Rennrad eine längere Strecke gefahren ist wird feststellen, dass dies durchaus nicht so dramatisch ist, wie es sich anhört. Und hier? Es nicht sein kann was nicht sein darf?

Froome hat bereit bei der letzen Tour als Helfer von Wiggins gezeigt, dass er in einigen Passagen schneller war als sein Leader. Dieses Jahr hat er die Möglichkeit seine Leistungen voll auszuspielen. Er tut dies häufig ohne umfängliche Unterstützung seiner Mannschaft, weil außer Ritchie Porte niemand so Leistungsstark ist ihm folgen zu können. Und er "verheizt" seine Leute auch nicht und zwingt sie für ihn zu fahren. Vielleicht sieht es deshalb so dramatisch aus.

Natürlich ist nach der Doping-Vergangenheit der Tour Skepsis berechtigt und erforderlich, und man sollte ganz genau hinschauen. Aber grundsätzlich bewegt sich aus meiner Sicht noch alles im Rahmen. Ich kann erkennen, dass das Sky-Team mit viel Taktikgefühl und guter Beobachtung der Gesamtsituation agiert, und kein anderes Ziel kennt als den Gesamtklassementsieg ihres Leaders.

Und ich glaube, den wird Froome heute manifestieren.

18. Etappe: Gap - Alpe d´Huez (172,5 km)

Heute kommt der High-Noon dieser Tour. War die Bergetappe zum Mount Ventoux schon ein Spektakel wird heute noch einmal draufgelegt. Es geht von Gap nach Alpe d´Huez, dem kleinen Bergdorf, das für viele zum Inbegriff der Tour schlechthin geworden ist. Die Zeitung "Die Zeit" nennt dies den Berg der Fahrrad-Verrückten. Und genauso muss es einem auch vorkommen, wenn man als Zuschauer vor dem heimischen Fernsehen beobachtet, was heute dort passieren wird. Der Bericht der Zeitung ist übrigens total lesenswert und toll gemacht, und man sollte ihn sich unbedingt mal anschauen. Heute geht es sogar zweimal nach Alpe d´Huez hinauf, die 12,3 km mit im Schnitt 8,4 Prozent. Und wer wirds gewinnen?

Heute ist der letzte Tag an dem Frooms Kontrahent Contador die Tour nochmal drehen kann. Vielleicht ist er gestern nicht unabsichtlich Zweiter geworden und hat sich seine letzte Kraft für heute aufgespart. Auch für Quintana als ausgewiesenen Kletterer könnte heute der Tag der Tage werden. Rodriguez vom Katjusha-Team könnte hier ebenfalls nochmal eine Kerze zünden, jedoch ist sein Abstand mit über sieben Minuten auf Froome zu groß, als das er sich an die Spitze fahren könnte. Aber er könnte seinen bisher schon sehr guten sechsten Platz nochmal verbessern. Und Bauke Mollema? Auch er könnte gestern im Zeitfahren Kraft für heute aufgespart haben. Denn sein Zeitfahrpotential ist nicht so gut, dass er von vorn herein zu einer Konkurenz für Froome oder Contador hätte werden können. Schwer zu sagen. Man sagt immer, das gelbe Trikot verleiht Flügel, und ich kann mir vorstellen, dass Froome so kurz vorm Ziel alles geben wird. Aber ich glaube an den Kampf, an das Unvorhersehbare, an das Unmögliche.

Daher also mein Tipp:
Contador setzt alles auf eine Karte und kann sich im entscheidenden Moment absetzen, Froom lässt ihn fahren, bleibt aber im Gesamtklassement vorn. Rodriguez kann sich noch einen Platz verbessern (ich würde es vor allen Dingen Canyon gönnen) und Quintana holt sich Bauke Mollema.

Best Regards ;-)

Ein Kommentar

Einer oder mehrere Kommentare sind noch nicht freigeschaltet.

Schreibe einen Kommentar

required
Hier Klicken zum Verändern

Auf dieser Seite werden die Kommentare moderiert.
Das bedeutet, dass die Kommentare erst dann veröffentlicht werden, wenn sie freigeschaltet wurden.

Persönliche Informationen speichern?
Hinweis: Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt. URLs oder Mailadressen werden automatisch umgewandelt.