Ausnahmeathleten sind Ausnahmen

Dienstag 16 Juli 2013 um 00:18

Zunächst einmal möchte ich meinen Unmut über Eurosport loswerden! Ja, ich hätte gern alle Etappen gesehen, aber machmal muss man auch sein Leben organisieren, und dann ist man froh, wenn man in der Programmvorschau sieht, dass die Etappe vom Tage um 23:45 wiederholt wird.

Also vermeide ich bis dahin sowohl in den Spiegel Liveticker zu schauen und schaltete sogar die Nachrichtensendung aus, als das Thema Tour de France angeschnitten wurde. Am Abend dann halte ich mich in freudiger Erregung wach, und .... EUROSPORT ÜBERTRÄGT NICHT !!!! Statt dessen gibt es Fußball der U19! Ich warte bis 01:20 Uhr, und nichts wird wiederholt. Bitte Eurosport, wenn ihr das schon ankündigt, dann haltet Euch auch daran. Fußball gibt es das ganze Jahr, aber die Tour ist nur drei Wochen, und nicht alle können zu dieser Zeit Urlaub nehmen.

Deshalb kann ich zu der 14. Etappe auch nicht viel sagen, außer dass, was ich gelesen habe, oder die paar Szenen, die ich auf Youtube finden konnte. Aber das ersetzt nun mal nicht die Übersicht über die taktischen Spielchen, die man sonst bei einer ganzen Etappe beobachten kann.

Aus diesen Grund habe ich mir die Übertragung der 15. Etappe auch gleich am Tage angeschaut. Die bestand eigentlich nur aus dem Abschnitt hinauf auf den mystischen Berg. Als kurz nach dem Einstieg Silvan Chavanel dem Feld davon fuhr, habe ich mir gewünscht, er würde es schaffen. Aber es war klar, dass er nicht die Qualitäten eines Kletters hat. Er ist eher ein Bardoneur und kein ausgewiesener Bergfahrer.

Bis in die Mitte des Berges konnte sich eine relativ große Gruppe halten, aber dann bröckelten immer mehr Fahrer aus dem Feld. Mit Klöden und Schleck auch sehr bekannte Namen. Und so blieb schließlich Froome mit Ritchie Porte und einem weiterne Fahrer von Sky an der Spitze übrig und machten die Pace. Contador in seiner sehr typischen springenden Fahrweise am Berg immer an seinem Hinterrad.

Nachdem Valverde durch sein Reparaturpech den Anschluss an die Spitze verloren hat gibt es im Team Moviestar einen neuen Leader. Nairo Alexander Quintana Rojas, ein toller Name finde ich. Der kleine Kolumbianer ist für die dritte Tourwoche ein aussichtsreicher Kandidat, denn er ist ein ausgewiesener Kletterer.

Quintana ist an einer eher unscheinbaren Stelle schon recht früh aus dem Feld herausgefahren. Im weiteren Verlauf muss man aber sagen, dass dies ein taktisch sehr günstiger Zeitpunkt war, denn so konnte er in seinem eigenen Rythmus einen recht schwierigen Teil mit gleichmäßiger Geschwindigkeit den Berg herauf fahren. Hinter ihm versuche ein spanischer Fahrer aus dem Euskatel-Team ebenfalls aus dem Feld zu fahren, was ihm zunächst auch gelang.

Dann war Froome gezwungen in die Verfolgung zu gehen, dazu ließ er sich von Porte mit einer hoher Geschwindigkeit am Berg anziehen und ging im richtigen Moment in eine Attacke über. Ich kenne dieses Gefühl gut, wenn jemand am Berg vor einem plötzlich anzieht. Das ist auch vom Kopf her unfassbar. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass Contador, der sich in diesem Moment plötzlich mit der Antrittsgeschwindigkeit von Froome konfrontiert sah, ihm nicht mehr folgen konnte. Ein Freund von mir sagt immer, "der Kopf fährt mit ..." und das war es hier auch.

Contador musste reißen lassen und Froome nutze dies um auch an dem Euskatel-Fahrer in hohen Tempo vorbei zu gehen. Contador könnte zu dem anderen Spanier aufschließen und versuche ihn zu überreden, gemeinsam die Verfolgung aufzunehmen. Aber auch der andere Spanier fuhr am Limit.

Einzig Quintana konnte Froome Paroli bieten. Froome ist viermal angetreten, konnte ihn aber nicht abschütteln. Erst im fünften Angriff kam er weg. Das ist schon eine unglaubliche Willenstärke, denn man konnte sehen, dass Froome auch an seinen Grenzen angelangt war. Und so konnte Froome die Etappe überlegen gewinnen und Zeit auf seine Verfolger gut machen. Etwas, was von der Sky-Mannschaft auch sicherlich als taktisches Element angepeilt wurde. Aber dieser Ritt hat Körner gekostet. Zwar hatten die Fahrer gestern einen Ruhetag, aber auch bei einem solchen Spitzenfahrer wie Froome wirkt ein solcher Ritt nach.

Und damit sind wir auch schon bei der Vorbereitung der heutigen Etappe.

Etappe 16: Vaison la Romaine - Gap (168 km)

Heute geht es nach Gap, einem Ort, der in den Ohren der Radfahrer ein sehr klingenden Namen hat. Denn von hier gehen die Strecken zu vielen französischen Alpenpässen los, wie z.B. dem Izoard oder eben auch nach Alpe d´Huez. Aber zuvor geht es nach Gap, zwar sicherlich etwas gemächlich nach dem Ruhetag, aber trotzdem eine Strecke, die ihre Tücken hat. Vielleicht ist sie deshalb für einen Ausreißer geeignet, der Kraft hat. Zwei Berge der 2. Kategorie müssen die Fahrer bewältigen. Der letzte Anstieg, die 9,2 Kilometer lange Fahrt hinauf zum 1268 m hohen Col de Manse (5,2 Prozent Steigung im Schnitt), gilt trotz der relativ niedrigen Einstufung als anspruchsvoll. Zum Schluss kommt es zu einer schwierigen Abfahrt, an die sich seit 2003 sicherlich jeder erinnern kann. Hier war Joseba Belocki von der Once-Mannschaft gestürzt und hatte sich das Becken gebrochen. Danach konnte er nie wieder bei einem Rennen einen Podiumsplatz erreichen. Unvergesslich auch Lance Armstrongs Ausweichmanöver quer durchs Feld.

Froome wird heute seine Mannschaft einspannen müssen, denn Moviestar und Tinkoff werden versuchen anzugreifen und Zeit zurück zu gewinnen. In einem Einzelduell wird man ihm nicht so schnell Zeit abjagen können. Wir werden sehen wie gut sich die Klassementfahrer an dem Ruhetag erholt haben. Schön wäre es natürlich aus Sicht der Zuschauer, wenn ein starker Ausreißer sein Glück versuchen würde. Nachdem auch Evans in der Gesamtwertung relativ weit abgeschlagen ist, bekommt vielleicht Phillip Gilbert seine Chance. Aber auch andere Fahrer wie Klöden, Vogt, Degenkolb (wenn man das aus deutscher Sicht betrachtet) könnten ihre Chance suchen. Nicht zu vergessen eine der alten Recken wie bspw. Voeckler.

Daher mein Tipp:
Die Sprintermannschaften fahren heute im Ziel im Grupetto hinterher, eine größere Ausreißergruppe (20 Fahrer oder mehr) wird schon früh versuchen wegzukommen. Wenn ein starker Fahrer in einer solchen Ausreißergruppe alles auf eine Karte setzt, kann er heute eine Etappe gewinnen. Die Gesamtklassementfahrer werden entweder geschlossen, oder mit geringen Abständen in Gap ankommen. Froome wird heute wieder Zeit auf seine direkten Konkurenten verlieren.

Best Regards ;-)

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