Verkehrsplan 2020

Donnerstag 06 September 2012 um 19:24

Im Spiegel gibt es einen Artikel zum Verkehrsplan 2020, der vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Zielrichtung ist eine Steigerung des Anteils der Radfahrer am Verkehr. Es handelt sich dabei lediglich um ein Papier für eine Strategische Ausrichtung, nicht aber um einen konkrete Umsetzungsplanung. Man darf darin also nicht konkrete Umsetzungsvorhaben vermuten.

Das ist auch nicht die Aufgabe der Politik, sie soll die Rahmenbedinungen schaffen, damit Fachleute Zielrichtungen für Umsetzungen bekommen. Aber wie sehen die Rahmenbedingungen zu den gesteckten Zielen denn aus? Was soll erreicht werden? Und sind die Ziele gemessen an den Entwicklungen der vergangenen Jahre noch zeitgemäß, oder vielleicht doch schon eher wieder überholt? Berücksichtigen die Ziele die besonderen Anforderungen von Metropolen und ländlichen Gegenden gleichermaßen? Und passen die Ziele zu den bereits begonnenen und beschlossenen Vorhaben?

Dazu ein Abriss und Bewertung aus meiner Sicht:

Radfahren ist wieder hipp. Bisher eher eine Domäne des aus der Studentenzeit endwachsenen Bildungsbürgertums wird das Radfahren nicht nur aufgrund der steigenden Benzinpreise zu einer Alternative zur Erreichung der Arbeitsstätte. Auch der Sport und die Freizeitgestaltung mit dem Rad nehmen analog zu.

Bekannte Radwanderwege an den Flüssen (Weser, Elbe, Donau) werden in den Sommermonaten immer stärker frequentiert und Sportveranstaltungen mit Jedermann-Teilnahmen vermelden jedes Jahr Rekord-Teilnehmerzahlen.

Auch Pendler nehmen für den Weg zur Arbeitsstätte immer häufiger das Rad. Aber halten die an die steigenden Zahlen der Fahrradbenutzer gemessenen neuen Ziele dem auch Stand?

Der Verkehrsplan 2020 definiert die Rahmenvorgaben dafür. Und darin heißt es im Wesentlichen, Steigerung des Radfahreranteils. In den Städten mehr als im ländlichen Gebieten. Aber kann das auch klappen?

Fakt ist, dass der Platz auf der Straße nicht mehr wird. D. h., schafft man mehr Verkehrsraum für Radler, müssen andere Verkehrsteilnehmer weichen, oder zumindest auf einen Teil der Ihnen bisher zur Verfügung stehenden Flächen verzichten. Die Umsetzung ist in Ballungsräumen und Städten ungleich schwieriger als in ländlichen Bereichen.

Schon jetzt haben die Städte Probleme mit der Instandhaltung der Radwege. Wie sollen dann, insbesondere wenn in gleichem Atemzug noch die Mittel für die Bereitstellung von Radwegen gekürzt werden, neue Wegemöglichkeiten entstehen?

In den innerstädtischen Bereichen werden mittlerweile Flächen in Kreuzungsbereichen mit einer roten Farbe markiert und dem Radfahrern als Aufstellort zur Verfügung gestellt. Da diese Flächen aber auch von PKWs genutzt werden können, kommt es für diese nur zu Einschränkungen, wenn Radfahrer auch wirklich da sind. Solche Flächen geben den Radfahrern zudem einen gewissen Grad an Sicherheit, denn, weil sie häufig mit einer in gleicher Farbe ausgewiesenen Fahrspur ausgestattet sind, können Radfahrer rechts an den stehenden PKW vorbei fahren, ohne sich hinter einen solchen PKW zu stellen und die Abgase einatmen zu müssen.

Aber das können auch nur Maßnahmen für Straßen sein, die von Radlern auch benutzt werden.

Radfahrer nutzen doch aber, wenn möglich, lieber Wege auf denen man die Fahrspur nicht mit einem PKW oder einen Fußgänger teilen muss. Besser noch, wenn man mit diesen Strecken normale Wege abkürzen kann und im Idealfall "durchs Grüne" und ohne zum Anhalten zwingende Lichtzeichenanlagen fährt.

Daher ist es aus meiner Sicht unerlässlich, dass man sich zunächst damit auseinander setzt, wo die Radfahrer überhaupt lang fahren. In fast jeder größeren Stadt haben sich Wege für Radfahrer etabliert, in denen man schnell ohne große Verkehrsbeeinträchtigungen in die Stadt hinein und wieder herauskommt. Das sind bspw. hier in Hannover die Wege entlang des Maschsees und entlang der Ihme. Doch meistens enden diese Wege irgendwann an Stellen, an denen der Radfahrer dann wieder sehen muss, wie er sich den zur Verfügung stehenden Platz mit anderen teilt.

Das Naviki-Projekt bietet die Möglichkeit für Radfahrer die immer wieder genutzten Strecken in einer Datenbank zu speichern. Für Routing-Informationen werden diese Daten wieder herangezogen und beim Zusammenstellen einer möglichen Router höher bewertet. Das führt in vielen Fällen zu Strecken, die genau die aufgezeigten Bedingungen bieten.

Man sollte bei einer Verkehrswegeplanung für die Städte daher man diese schon vorhandenen Dinge nutzen und in die weitere Planung mit einfließen lassen. Dann wird man feststellen, dass Radfahrer immer an den gleichen Stellen den Übergang in den "normalen" Straßenverkehr wahrnehmen. Dort sollte man konkreter schauen, welche Maßnahmen möglich sind und wie so unter Umständen die schon vorhandenen Strecken miteinander verbunden werden können.

Darüber hinaus sollte man versuchen, an diesen Stellen, in Abhängigkeit des Fahradfahrer-Aufkommens Verkehrsregelungen zu schaffen, die den Radfahrern einen gefahrlosen und schnellen weg über diese Knotenpunkte hinweg ermöglicht.

Dann steigen die Zahlen für die Radnutzer automatisch. Warten wir ab wie und was aus der Rahmenplanung umgesetzt wird.

Best Regards ;-)

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