Nabenschaltung Alfine 8-Gang vs. Alfine 11 Gang Teil 2

Mittwoch 05 September 2012 um 18:55

Ich bin jetzt etwas über einen Monat mit der 11-Gang Alfine Nabe unterwegs. Die 8-Gang Alfine habe ich ca. 5 Jahre gefahren und war damit sehr zufrieden. War der Umstieg auf die 11-Gang richtig? Was hat es gebracht? Was geht und was geht nicht, hier der Abriss:

Schalten:

Zunächst die Rapid-Fire-Schalthebel. Die Schaltrichtung wurden gewechselt und entsprechen jetzt wieder der einer normalen Kettenschaltung. Das war für mich erstmal eine unheimliche Umstellung. Ich habe in der ganzen ersten Woche immer mal wieder runter- statt hochgeschaltet. Aber dann ging es. Die Schaltung ist nach wie vor butterweich.

Man kann jetzt auch zwei Gänge mit einem Schalten rauf- oder runterschalten. Ich habe erst gedacht, das braucht man nicht, weil ich mich an das schnelle Schalten nur eines Ganges sehr gewöhnt hatte. Aber mittlerweile möchte ich es nicht mehr missen, insbesondere, wenn ich mal unerwartet schneller anhalten muss, oder auch wenn ich schnell mit hoher Trittfrequenz angetreten war, und der nächste Gang überschaltet werden könnte.

Der Schaltzug ist an der Nabe jetzt von oben eingeführt. Ich hoffe, dass mit der Zug im Winter nicht mehr so oft einfriert. Das war sonst immer sehr nervig.

Schalten unter Last, bspw. im Wiegetritt erfordert auch bei der 11-Gang ein bisschen Gefühl und Technik. So wie die Rohloff lässt sich die Alfine nicht unter Last schalten. Man muss beim Schaltvorgang schon etwas entlasten damit der nächste Gang eingelegt wird. Macht man das nicht gibt es einen ekeligen Durchrutscher, wie bei der 8-Gang auch, ggf. kombiniert mit einem hässlichen Geräusch von aufeinander reibenden Metall.

Abstufung:

Die Gangabstufung hat sich geändert. Es ist nicht nur nach unten und oben ein Gang mehr drin, sondern in erster Linie eine gleichmäßige Abstufung unter den Gängen. Das macht das Anfahren und Hochschalten zu einer sehr gleichmäßigen Sache. In der Stadt fahre ich jetzt entweder im vierten Gang an und schalte gleich, oder im fünften Gang und muss etwas schwerer treten. Aber beides geht gut.

Im oberen Bereich bin ich sonst mit der 8-Gang meist im siebten Gang gefahren. Das war bei Gegenwind oder leichter Steigung machmal aber ein wenig zu hart. Der sechste Gang darunter verlangte aber schon eine sehr viel schnellere Trittfrequenz. Jetzt fahre ich im siebten, achten oder neunten Gang und kann je nach Gegenwind/Gelände sehr gut auswählen. Ein eindeutiges Plus! Das ist eine sehr viel angenehmer Abstufung.

Wartung / Pflege:

Kann ich noch nichts zu sagen. Mein Mechaniker sagte, der Wechsel des Getriebeöls ist kein Problem. Bei der 8-Gang habe ich einmal die Fettung erneuern lassen. Danach schnurrte die Schaltung noch leiser und lief noch leichter. Ich bin gespannt, ob das nach dem ersten Ölwechsel auch so sein wir. Im Winter ist bei der 8-Gang, wie schon geschrieben, häufig mal der Bowdenzug eingefroren, weil er so gelegt war, dass Schneematch und Feuchtigkeit so an den Bowdenzug geworfen wurde, dass im Fahrtwind der Zug fest gefroren ist. Runterschalten ging dann noch, aber hochschalten nicht mehr. War dann ziemlich nervig im vierten Gang zu fahren. Jetzt wird der Bowdenzug von oben in die Nabe geführt, ich hoffe, dass das dadurch nicht mehr passiert.

Geräusch / Leichtigkeit:

Die 8-Gang lief eindeutig leiser und leichter. Ich weiß aber nicht mehr genau, wie das bei der 8-Gang am Anfang war. Denn die 11-Gang ist schon erheblich lauter. Ich höre wie die Zahnräder in der Nabe ineinander greifen. Nichts stört mich beim Radfahren mehr als wenn irgendetwas klappert oder rattert, in diesem Bereich ein eindeutiges Minus!! Mein Mechanikus sagt aber, dass dies durch die schräggestellten Zahnräder kommt und in der Einlaufphase auch die Rohloff solche Geräusche machen würde. Ich werde es sehen/hören, wenn dass erste Mal das Getriebeöl gewechselt worden ist.

Die 8-Gang lief butterweich. Im Stand einmal angetreten lief die Nabe so leicht wie eine Kettenschaltung. Das ist hier nicht so, im Freilauf kann man nach einiger Zeit eine eindeutige mechanische Verzögerung bemerken, die schließlich zum Stillstand des Rades führt. Auch hier weiß ich nicht mehr genau, ob das bei meiner 8-Gang am Anfang auch so war. Also werde ich es weiter beobachten.

Gewicht / Optik:

Die Nabe ist etwas schwerer, aber das ist bei einem Stadtrad mit 16 kg ohnehin nicht so wichtig. Optisch fand ich die 8-Gang mit dem leicht kegelförmigen Nabenkörper schöner, aber das ist Ansichtssache.

Fazit:

Aus Sicht der Übersetzung und des Fahrkomforts lässt die 11-Gang die 8-Gang hinter sich. Was Schaltungskomfort angeht auch. In allen anderen Dingen finde ich die beiden Nabenschaltungen ebenbürtig, was die Geräuschentwicklung mit den o.g. Einschränkungen angeht, hat für mich die 8-Gang die Nase vorn.

Grundsätzlich kann ich auch eine 8-Gang Alfine immer wieder empfehlen. Wenn man die Wahl hat und es nichts extra kostet würde ich auch derzeit immer wieder die 11-Gang nehmen. Wenn es ein Mehrpreis von 150 - 200 Euro bedeuten würde, könnte ich mir auch gut vorstellen, mich für eine 8-Gang zu entscheiden.

Der Umstieg war für mich richtig, weil es mir den Neukauf eines Rades erspart. Ich habe so das wichtigste Verschleißteil ersetzt und bin ansonsten mit dem Rest des Rades sehr zufrieden. Ich kann mit der neuen Nabe und nach dem Austausch von noch ein,zwei Verschleißteilen alles noch einige Jahre weiterfahren. Es hat einiges an Fahrkomfort gebracht.

Ich bin auf meine nächste längere Tour gespannt, ob es danach auch noch so ist. Ist die 11-Gang ein Ersatz für eine Rohloff? Nein! Aber für ein Stadtrad mit dem man mal auch eine längere Tour macht reicht sie vollkommen aus. Dafür reicht sogar eine sehr viel günstigere 8-Gang Nexus Premium.

Best Regards ;-)

vier Kommentare

Kabelbaum

Kabelbaum - 24-12-’12 00:48

Hallo,
ich fahre die Shimano Alfine 11 Gang seit einem halben Jahr in einem Diamant Achat Herrenrad und bin ganz zufrieden. Einzig, dass manchmal um den sechsten Gang herum der Gang nicht gleich richtig bzw. erst nach einem Knack drinnen war.
Was mich aber Mitte Dezember 2012 fertig machte, war, dass die Schaltung bei Minusgraden einfriert. Der Gang, der drinnen ist, lässt sich nicht mehr ändern. Nachdem ich ein paar Kilometer im Ersten zurückgelegt hatte, hatte ich das Rad zum Aufwärmen in der Wohnung. Die Schaltung ging dann wieder normal. Nach kurzem Stehen im Freien, lies sich der eingelegte elfte Gang nicht mehr herausnehmen. Das war die härteste Fahrt meines Lebens. Jetzt ist es wieder wärmer, was aber keine Lösung ist (die Acht-Gang-Vorversion hatte mit Kälte kein Problem). Wenn jemand eine Idee hat, wie das Festfrieren zu beseitigen ist (das Schaltrad geht dann nur noch ganz schwer mit der Hand zu drehen) bin ich dankbar. Grüße aus München.

Andreas Korzinowski

Andreas Korzinowski - 26-12-’12 22:28

Hallo Wolfgang,
nicht die Schaltung friert ein, sondern das Schaltwerk. Den gleichen Effekt hatte ich im zweiten Jahr auch mit meiner Alfine 8-Gang, und auch schon mit der 11-Gang.

Bei der 8-Gang hatte ich zwei Dinge gemacht. Einerseits hatte ich den Seilzug herausgenommen. Die Hülle mit Druckluft durchgepustet um die Feuchtigkeit zu entfernen und danach den Seilzug dick eingefettet wieder eingezogen. Das hat verhindert, dass durch den Fahrtwind der Seilzug in der Seele fest gefroren ist. Das Zweite war, dass ich das Schaltwerk dick mit WD 40 eingesprüht habe. Dadurch, dass hier nur Plastik aufeinander gleitet wird nichts unnötig entfettet. Aber der WD 40 Film verhindert, dass sich in die Rillen Feuchtigkeit festsetzt, der durch den Fahrtwind gefriert.
Wenn dann das Schaltwerk doch mal ein wenig einfriert hilft es schon in den 11. Gang zu schalten und das Schaltwerk mit der Hand vier-fünf Mal ganz bis zum ersten Gang zurückzudrehen und zurück schnappen zu lassen. Meistens reicht das um noch nach Hause zu kommen, wo ein wenig WD 40 wieder für weniger Feuchtigkeit sorgt.
Bis jetzt bin ich auch längere Zeit mit Temperaturen unter 0 Grad gut zurechtgekommen. Lediglich in den Winter vor zwei Jahren ist mir zusätzlich noch der Seilzug am Ende der Seele, hinten nahe dem Schaltwerk, eingefroren. Das lag daran, dass bei der 8-Gang der Seilzug von unten an das Schaltwerk herangeführt wurde. Dadurch wurde beim Fahren ständig Spritzwasser/Matsch/Schnee an diese Stelle geworfen. Bei der 11-Gang wird der Seilzug jetzt von oben an das Schaltwerk geführt. Da sollte es eigentlich nicht mehr anfrieren. Wenn doch, weil es doch ungünstig verlegt ist, sollte man ein wenig breiteres Klebeband zu einem Röhrchen formen und soweit wie möglich um das Ende des Seilzuges herumführen. Das hatte mir auch geholfen. Wenn Du noch Fragen hast, mail mich einfach an. Good Luck – Andreas

Steffi

Steffi - 08-01-’13 17:46

Ich habe Deinen Tipp ausprobiert, funktioniert super! Danke!

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