Packendes Finale in Seraing - Aussicht auf die zweite Etappe

Montag 02 Juli 2012 um 08:14

Die erste richtige Etappe der Tour de France 2012 verlief eher wie eine Trainingsfahrt. Schon kurz nach dem Start konnte sich eine sechser-Gruppe absetzen, die in einem relativ gemächlichem Tempo teils bis zu 5 Minuten vor dem Feld fuhr. Das machten Sie so gut, dass Jens Voigt in der Nachführarbeit des Hauptfeldes teilweise wieder rausnehmen musste. Der Schnitt von 39,8 für so eine relativ flache Etappe sagt dann schon einiges.

Um so packender das Ende der Etappe, bei dem es im belgischen Seraing nochmal richtig hoch ging. Nicht sehr lang, aber doch so, dass die Teams schon geschickt ihre Leute in den vorderen Bereichen plazieren mussten, um in den schmalen Straßen nicht plötzlich abgehängt zu sein.

Mein Tipp war daher, Phillip Gilbert, der bereits bei ähnlichen Ankünften seine Qualitäten hatte zeigen können. Aber auch Chavanell, Cancellara und das Duo Nibali/Basso kamen für mich in Frage.

Und so schlecht lag ich nicht. Am Ende des steilsten Teilstücks in Seraing versuchte Chavanell sein Glück, hat sich dann aber doch ein wenig überschätzt und ist zu hart in den letzten Anstieg gegangen. Gilbert musste seine eigenen Ambitionen wohl eher zurückstellen und blieb beim Hauptfeld in der Nähe von Evan. In diese Lücke stieg Cancellara, unglaublich welche Kraft er in den Beinen hat, und konnte sich vom Feld lösen. Er hatte teilweise 40, 50 Meter Vorsprung. Aber zwei Leute, die ich gar nicht auf der Rechnung hatte, konnten an seinem Hinterrad bleiben. Sagan und Boasson-Hagen. Und bei Sagan ohne ersichtlich große Anstrengung.

Cacellara, der sicherlich nur im Auge hatte, sein gelbes Trikot zu verteidigen, wollte die Etappe aber gar nicht unbedingt gewinnen. Und so nahm er wieder raus, schaute sich nach hinten um, welchselte die Seiten von rechts nach links, aber weder Sagan noch Boasson-Hagen wollten fahren. Ein oft leidiges Problem.

Geschickt blieb Sagan an seinem Hinterrad. Boasson-Hagen hatte nicht mehr die Kraft, und so konnte Sagan sogar ausscheren, sich in Ruhe umschauen, Lage checken. Unglaublich wie abgeklärt er hier agierte. 

Aber die Anwärter auf den Gesamtsieg wollten sich natürlich nicht schon in der ersten Etappe weiter abhängen lassen, und so musste wohl Gilbert für seinen Chef Evans die Hauptgruppe wieder an das Führungstrio heranfahren. Und das machte er so gut, dass sie unmittelbar vor der Ziellinie wieder dran waren, unglaublich packend.

Aus dieser Situation heraus hatte Sagan schließlich die beste Ausgangssituation und konnte in einem letzten Sprint Cancellara überholen. Boasson Hagen konnte oder wollte hier nicht mehr folgen. Das Hauptfeld kam zeitgleich ins Ziel.

Gilbert (mein Tipp) belegte den vierten Platz. Im dahinter mit gleicher Zeit gewerteten Feld finden sich dann auch alle Namen der Fahrer, die eher die Gesamtplazierung im Auge haben. Valverde (erstaunlicherweise sehr weit vorn), Gesing, van den Broek, Chavanell, Nibali, Wiggins, Basso, Menchov, Schleck und natürlich Evans. Der erste Sprinter mit 17 Sekunden Abstand ein alter Bekannter, Oscar Freire. Die anderen Sprinterasse, Cavendish, Greipel, Farrer erst weit dahinter. Erfreulich für die deutschen Fahrer; auch Klöden und Martin sind mit dem Hauptfeld reingefahren und haben keine Zeit eingebüßt.

Aussicht auf die zweite Etappe

Wenn die Sprinter in der ersten Etappe nicht das richtige Terrain hatten, in dieser zweiten haben sie es! Topfeben, ein Berg der vierten Kategorie, 2,1 km mit 4,5 %, und am Ziel eine lange Gerade von 400 Metern Länge.

Ich vermute, dass man auch in dieser Etappe eine Gruppe wird fahren lassen, die aber keine Aussicht hat, durchzukommen. Man wird sie 800 Meter vorm Ziel einholen. Das Tempo heute wird höher sein, die Sprintermannschaften werden schon zusehen, dass niemand zu weit weg kommt. Bei Kilometer 153 gibt es eine Sprintwertung, Bergpunkte werden heute nicht vergeben. 

Schon 20 Kilometer vor dem Ziel wird man das Tempo hochhalten, und die Mannschaften, die sich bisher nicht gezeigt haben, werden plötzlich vorn sein. Allen voran Sky, aber auch Katjuscha mit Oscar Freire und Garmin mit Farrar. Und ich glaube auch, dass sich das Team Orica GreenEdge zeigen wird. Aber O'Grady und Goss dürften gegen den Sky-Zug von Cavendish keine Chance haben. Dann schon eher Greipel, wenn er in guter Verfassung ist. Gönnen würde ich es ihm. Cacellara und die Anwärter auf den Gesamtsieg werden im Feld mit hineinrollen. Daher wird Cacellara auch die dritte Etappe in Gelb fahren. 

Wir können uns auf jeden Fall auf eine spannende Massenankunft freuen.

Mein Tipp, Cavendish vor Farrar vor Greipel vor Freire. Ich bin gespannt

Best Regards ;-)