Die Tour 2012 ... ohne ARD und ZDF

Freitag 29 Juni 2012 um 13:34

Am nächsten Samstag ist es endlich wieder so weit. Für die Radsport-Freunde geht das große Spektakel wieder los. Aber die Frage ist, ob das hier in der Bundesrepublik überhaupt jemand mitbekommt. Denn dies ist das erste Jahr, dass ARD und ZDF nicht mehr live über die Tour berichten. Die Verträge mit der ASO, über die die Fernsehrechte der Tour de France verkauft werden, sind nicht mehr verlängert worden. Der einzige Sender der noch live berichtet ist Eurosport.

Und damit einhergehend wird natürlich auch das Internet-Angebot zur Tour de France nicht mehr gepflegt. Die Seiten unter tour.ard.de haben noch den Stand des letzten Jahres.  Sehr schade! Ich hätte erwartet, dass sie zumindest das hinbekommen. Eine Mail, die ich vor zwei Wochen an die ARD zu diesem Thema gesandt habe ist noch nicht einmal beantwortet worden! Die Lücke mit den Live-Übertragungen wird Eurosport als Spartensender gern füllen. Aber sonst ...

Natürlich ist es so, dass der Sport selbst und seine Protagonisten dafür gesorgt haben, dass der Radsport in einem Doping-Sumpf gelandet ist. Aber wer muss das denn jetzt ausbaden?

Gäbe es in der Pro-Tour einen deutschen Fahrer wie Linus Gerdemann oder Fabian Wegmann, wenn sie Ende der neunziger Jahre nicht am Fernsehen die Begeisterung erlebt hätten, die ein solcher Sport in anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien auslöst? Wie soll man denn in einem Verein Jugendarbeit betreiben und Jugendliche fürs sportliche Radfahren begeistern, wenn man in diesem Land noch nicht einmal über das drittgrößte sportliche Ereignis der Welt, nach der Fußballweltmeisterschaft und den Olympischen Spielen, berichtet?

So wird der Radsport das gleiche Schicksal erleiden wie Tennis in der Nach-Becker-Ära. 

Leider, leider ist es so, dass die Popularität über die Medien gemacht wird und nicht durch den Sport selbst. Aber wenn es in dem Sport etwas Unpopuläres gibt ist man mit der Berichterstattung ganz gern vorn mit dabei. Damit soll die Doping-Diskussion in diesem Sport nicht beschönigt werden. Aber was ich von einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen erwarte ist, dass man sich ganzheitlich mit einem solchen Thema auseinander setzt. Sonst können sich die öffentlich-rechtlichen Sender in die gleiche Reihe mit reißerischen Formaten der privaten Sender stellen.

Liebe Ard und Zdf, stellt Euch doch mal die Frage, ob ihr durch das Unterlassen der Berichterstattung auch nur einen Profi daran gehindert habt unlautere Mittel anzuwenden. Ich glaube nicht!

Aber wie viele Menschen haben so nicht die Möglichkeit sich einmal ein Radrennen live anzuschauen, um vielleicht davon gepackt und begeistert selbst  einmal in die Pedale zu treten, Gefallen zu finden, und so vielleicht zukünftig viel gesünder zu leben. Ich vermute das sind mehr als zwei!

Und es müssen ja auch alles keine Hochleistungssportler werden, aber überlegen sie doch mal, wie vielfältig das Thema Radfahren ist, und welche Präsents es mittlerweile hat. Man spricht bei Radfahren von der einer besten Möglichkeit die Verkehrsprobleme in den großen Städten in den Griff zu bekommen. Evangelisten dieser Idee reisen durch die Welt und versuchen die Lenker großer Metropolen ihre Erfahrungen näher zu bringen. In Paris gibt es mittlerweile 23.000 Leihfahrräder! Die Jedermannrennen in Deutschland, egal ob Göttingen, Hannover, Hamburg, Frankfurt oder Bremen finden immer mehr Starter!  In Hannover gibt es die erste Fahrrad-Straße, auf denen Radfahrer Vorrang haben. Der Tourismus im Harz enddeckt die Mountain-Biker als neue Zielgruppe. Daneben entwickeln sich Subkulturen, wie bspw. die der Fahrradkuriere, mit einem eigenen Selbstverständnis von Freiheit und Individualität. 

Immer mehr Leute fahren mit dem Rad zur Arbeit, Krankenkassen fördern dies durch spezielle Wettbewerbe. Aber die sportliche Umsetzung aller dieser Alltagsdinge wird nicht mehr über das Fernsehen verbreitet? 

Ich halte den von der ARD und dem ZDF gewählten Ansatz, aus Gründen des Dopings nicht mehr über die Tour de France zu berichten, überhaupt nichts. Meines Erachtens ist das der falsche Weg. Man sollte vielleicht mal überlegen, ob man nicht mal eine Reportage über Jedermann-Rennen und die Rad-Bundesliga macht, gern auch mit dem Thema Doping, um auch mal aufzuzeigen, wie viel positive Dinge man über den Sport über das Radfahren gewinnen kann.

Aber dieses Jahr schalten wir erst mal um auf Eurosport ;-)

Best Regards

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