Heute erste Nagelprobe

Samstag 06 Juli 2013 um 09:53

Es war ein Sieg mit Ansage! Schon am Anfang der Etappe war erkennbar, dass Cannondale heute nichts anbrennen lassen würde. So hatte Jens Voigt als Ausreißer von vorn herein keine Chance irgendwie durchzukommen. Aber sie haben durch die Aktionen Cannondale den ganzen Tag zu harter Arbeit gezwungen. Und dafür werden sie heute bezahlen. Ich fand es gut, dass trotz dem Kittel nochmal alles gegeben hatte, um Sagan den Etappensie streitig zu machen. Aber es war, wie schon gesagt, sehr gut erkennbar, dass Cannondale sich das heute nicht aus der Hand nehmen lassen wollte.

Heute: Castres - Ax3 Domaines

Heute kommt die erste Nagelprobe. Die Sprinter haben heute nichts zu lachen und werden sicherlich mit dem Grupetto reinkommen. Aber wer wird sich denn heute von den Favoriten zeigen?

Ich glaube, dass es erstmals ein leichtes Abtasten geben wird, und ob in dieser Phase jemand von den Favoriten schon das gelbe Trikot übernehmen will, weiß ich auch nicht genau. Denn dann wird die Taktik von dem Gedanken bestimmt es auch verteidigen zu müssen.

Ich glaube, dass es auf jeden Fall eine Ausreißergruppe geben wird, in der gänzlich andere Namen auftauchen werden als in den vergangenen Tagen. Jens Voigt würde sicherlich versuchen wieder in einer Gruppe unterzukommen, aber er wird dem gestriegen Tag auch Tribut zollen müssen und das sicherlich nicht schaffen.

Ich glaube, dass vielleicht auch mal ein paar französische Namen in der Ausreißergruppe auftauchen werden, und zwar Fahrer, die nicht unter den ersten 20 zu finden sein werden, wie bspw. Voeckler oder Riblon.

Also, mein Tipp:

Schon kurz nach dem Start wird eine Ausreißergruppe von vielleicht 5 - 6 Fahrern gute 10 Minuten wegkommen. Die Favoritenteams werden im Anstieg zum ersten Berg die Abstände verringern und es wird ein erstes abtasten von Froome, Contador, Evans und Schleck geben. 

Schleck wird einmal mehr seine Bergqualitäten unter Beweise stellen und der erste sein, der vom Hauptfeld über den ersten Berg geht. Im Anstieg nach Ax3 Domaines wird es das erste Intervallfahren der Favoriten im Berg geben. Ich sehe Schleck vor Froome, Contador und Evens. Radioshack wird versuche das Gelbe zu übernehmen.

Best Regards ;-)

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Massensprint mit Greipels Sieg

Freitag 05 Juli 2013 um 08:10

Herzlichen Glückwunsch Andre Greipel! Auf dieser Etappe hat alles geklappt und ich habe selten einen so mustergültig aufgebauten Zielsprint gesehen.

Wie ich es vermutet habe, wollten sich die Sprintermannschaften diese Etappe nicht entgehen lassen. Daher wurde nur ein Ausreißer durchgelassen. Ansonsten war das Tempo stets so hoch, dass keine der Mannschaften groß wegfahren konnten. Davon provitierten in diesem Fall nicht nur die Sprinter, sondern auch die Klassementfahrer, die sich so im Peloton gut vor dem Wind verstecken konnten. Und das war offensichtlich auch nötig, denn der Wind ist in diesem Bereich ein Unsicherheitsfaktor. Wie ich schon schrieb hat das Contador 2009 am eigenen Leib erfahren müssen.

Und so kam es zu dem unausweichlichen Massensprint der hier besonders vorbildlich eingefädelt worden ist.

Argos Shimano hat bereits recht früh mit einem Zug die Führungsarbeit geleistet. Plötzlich tauchte dann der Zug von Lotto Belisol an der linken Seite der Gruppe auf. Der erste Fahrer hat das Tempo so hochgezogen, dass keiner mehr diesen Zug von der Spitzenposition verdrängen konnte. Danach kam Sieberg. Als er rausging hatte Greipel noch einen Fahrer vor sich, der im richtigen Moment nach links rausging, währen Greipel rechts in die letzte Kurve eingebogen ist. Dadurch musste Cavendish einen Bogen fahren, der dafür sorgte, dass er und Kittel keine Chance mehr hatten von dem Windsog von Greipel provitieren zu können. Einzig Sagan hing noch an seinem Hinterrad. Aber er konnte nicht mehr genügend Kraft entwickeln um auf der dann noch kurzen Strecke bis zur Ziellinie auch nur ansatzweise anzusetzen an ihm vorbei zu kommen. Toll zu sehen, besonders aus der Hubschrauberperspektive.

Dadurch, dass van den Broeck ausgeschieden ist, kann sich Lotto Belisol voll auf die Etappensprints konzentrieren, und ich denke, dass Greipel daon von profitieren wird. Dies wird noch nicht sein letzter Etappensieg bei dieser Tour gewesen sein. Und das ist aus deutscher Sicht natürlich super!

6. Etappe: Montpellier - Albi (205 km)

Bevor es am Wochenende endgültig die ersten Nagelproben in den Pyrenäen geben wird, gibt es heute noch eine sog. Überführungsetappe.

Aber die macht es den Fahrern nicht leicht. Es gibt zunächst eine Berprüfung der 3. Kat. und kurz darauf eine der 2. Kat. Ich glaube deshalb, dass man eine Ausreißergruppe zulassen wird. Wenn ja sind die meisten Punkte der Sprintprüfung bei Km 135 schon weg. Deshalb denke ich nicht, dass die Sprintermannschaften sehr viel Energie in die heutige Etappe stecken werden. Ob die Sprinter so gut über den Berg kommen, dass es zum Schluss wieder eine Massenankunft gibt glaube ich auch nicht.

Bleiben die Barodeure um Chavanell, Gilbert und Voeckler. Aber es bleibt zum Schluss recht flach, so dass ich hier die Chancen auch nicht so groß sehe. Also, was wird passieren?

Ich glaube, dass recht frühzeitig eine Ausreißergruppe mit 5 - 7 Fahrer wegkommen wird. Aus dieser Gruppe wird ein Fahrer versuchen sich zu lösen und allein durchzukommen. Das wird er aber nicht schaffen, das Feld wird ihn wieder holen. Im Massensprint werden aber nicht die klassischen Sprinter (Greipel, Cavendish, Kittel) vertreten sein, sondern eher Sagan oder ein kraftvoller Fahrer, der sich diese Etappe ausgesucht hat. Ich tippe da auf Chavanell, der recht aussichtsreich in der Gesamtwertung liegt oder aber Gilbert.

Ich tippe daher auf Chavanell vor Sagan. Die Klassementfahrer warten noch auf ihre Chance, sie werden relativ zeitgleich einfahren. Sie warten für den ersten Schlagabtausch lieber auf den morgigen Tag.

Best Regards ;-)

Entspannungsetappe mit Massensprint

Mittwoch 03 Juli 2013 um 22:13

Wie ich es mir gedacht habe, war nach den Tagen auf Korsika und dem Mannschaftszeitfahren ein wenig Entspannung angesagt. Orica GreenEdge als Mannschaft des gelben Trikots zeigt sich auch überlegen genug, eine Ausreißergruppe schnell fahren zu lassen. Und nachdem man sich darüber klar war, dass keiner der Ausreißer dem Gesamtführenden gefährlich werden kann, hat man sie auch fahren lassen. Zeitweise hatten die Ausreißer bis zu 15 Minuten Vorsprung. 

Doch es war schon klar, dass die Sprintermannschaften es nicht dulden würden, dass die Ausreißer heute durchkommen. Und so nahm man zeitgereicht die Verfolgung auf. Das führte dazu, dass bereits 3 km vor dem Ziel der letzte Ausreißer eingeholt war. Auf den letzten Kilometern konnte das Tempo so hoch gehalten werden, dass keiner mehr wegkam. Tony Martin hat trotz seiner Sturzverletzungen ganze Arbeit geleistet. Und so kam es schließlich zum Zielsprint, bei dem ich mir ja Greipel als Sieger gewünscht hätte. Der war auch in aussichtsreicher Position. Aber der Sprint war von Steegmans für Cavendish gut angezogen worden. An Cavs Hinterrad befand sich Bosson Hagen, so dass Greipel nichts anderes übrig blieb, als sein Glück neben ihm zu suchen. Dadurch fuhr er aber im Wind. An Greipels Hinterrad wiederum hing Sagan und hatte alle Möglichkeiten sich den besten Platz für den Windschartten auszusuchen. In der finalen Phase ging Steegmans nach links raus und machte Cavendish den Weg frei.  Bosson Hagen wich nicht von Cavs Hinterrad und so hatte Sagan die Möglichkeit hinter den beiden nach rechts vorbei zu fahren und volle Geschwindigkeit aufzunehmen. Dadurch konnte er Greipel sogar noch übersprinten und sicherte sich dadurch den dritte Platz. Einmal mehr ein Beweis dafür wie explosiv Sagan antreten kann. Aber Cavendish hatte heute die besseren Beine. Da war seine Ankündigung, er sei ein wenig krank, wohl eher ein kleines Ablenkungsmanöver ;-)

Bosson Hagen konnte noch mitsprinten, kam aber nicht dran. Die Favoriten für das Gesamtklassement kamen alle mit der ersten Gruppe rein, es kam also zu keinen weiteren Zeitabständen und Garrens konnte das Gelbe verteidigen.

Nächste Etappe: Aix-En-Provence - Montpellier

Auch hier handelt es sich um eine Überführungsetappe durch landschaftlich sehr reizvolles Gebiet. Es geht durch Les Baux - de - Provence. Die Etappe ist zwar relativ kurz (176,5 km) aber es kann sehr heiß werden. Dadurch dass das Gelände zum Meer hin offen ist droht bei kräftigen Südwind eine Windkante. Das bedeutet, dass für die Fahrer ein kräftiger Wind von vorn, links kommt. Fahren die Spitzenfahrer soweit rechts, dass nur wenige Mannschaftsmitglieder vom Windschatten profitieren können, wird gern mal schnell das Tempo erhöht. Das zwingt die Fahrer anderer Mannschaften selbst gegen den Wind anfahren zu müssen. Das kann schnell dazu führen, dass eine Gruppe abgehängt wird, so wie es 2009 Contador ergangen ist. Der sah sich plötzlich 20 Sekunden hinter dem Feld, weil er von dem Team um Winokurov schnell mal "auf der Windkante geschliffen" wurde.

Ansonsten sollte auch diese Etappe den Sprintern gehören und sie werden alles daran setzen, ihren Punktestand für das grüne Trikot zu verbessern.

Ich hoffe weiter und tippe wieder auf Andre Greipel, der im Massensprint gewinnen wird. Die Gesamtklassementfahrer werden wieder mit der ersten Gruppe reinkommen, ihre Zeit kommt erst, wenn es in die Berge geht.

Best Regards ;-)

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Mannschaftszeitfahren bringt erste Zeitabstände

Mittwoch 03 Juli 2013 um 07:58

Guten Morgen,

das Zeitfahren hat erwartungsgemäß die ersten Zeitabstände gebracht und zeigt dazu einmal mehr, wie sehr Radfahren ein Mannschaftssport ist. Denn Cadel Evans ist mit seiner Mannschaftsleistung hinter den anderen zurück geblieben. Das sorgt für einen gehörigen Abstand zur Spitze. Schade auch für Omega-Pharma-Quickstep, mit nur 0,75 sek. Zweiter zu werden. Das kratzt an der Moral, zumal die Tour für die Mannschaft bisher nicht so gut gelaufen ist. Um so erfreulicher für Orica, die jetzt das gelbe Trikot verteidigen dürfen. Im Fernsehen konnte man sehen wie sehr sie sich darüber gefreut haben. Ein bisschen Glück gehört auch immer dazu, und das hatten sie in den vergangenen zwei Tagen. Das Sprintfinale in Calvi war taktisch sehr gut herausgefahren, so dass Sagan, der sichtbar explosiver war, nicht mehr herangekommen ist. Und die Mannschaftsleistung gestern war super. Da kann man doch nur herzlich gratulieren!

Heute: Cagnes sur Mer - Marseille

Die heutige Etappe führt ebenfalls wieder durch eine landschaftlich sehr reizvolle Strecke und dürfte wieder als ein Aushängeschild für Frankreich herhalten. Es geht leicht hügelig durchs Land an die Küste runter nach Marseille. Auf dem Programm stehen vier Bergwertungen (einmal Kat.3, dreimal Kat. 4) die alle keine besondere Herausforderung sind. Der steilste Anstieg kommt gleich am Anfang und wird daher nicht dazu geeignet sein das Feld zu selektieren. Der letzte Anstieg ist mit 3,1 % und einer Länge von 5,7 km ebenfalls nicht. Die Etappe wird daher sicherlich vom Feld genutzt werden ein wenig zu entspannen. 

Da auch in den vergangenen Tagen keine besonderen Kämpfe um die Fluchtgruppe erforderlich waren, denke ich, dass auch heute eine Gruppe mit bis zu 7 Fahrern relativ leicht weg kommt. Das Feld wird sie bis max. 8 Minuten ziehen lassen, aber aufpassen, dass sie nicht von der Leine gehen. Die Sprintermannschaften werden aber zeitig den Abstand verkürzen und versuchen auf den letzten Kilometern den Zusammenschluss zu schaffen, damit es keine Gegenattacken mehr gibt. Dazu werden die Sprintermannschaften um Greipel und Co. versuchen, ihre Leute in Position zu fahren. Ein Massensprint halte ich für höchstwahrscheinlich. 

Fragt sich, wer hat die besten Chancen? Cavendish konnte seine Leistung noch nicht zeigen, Greipel hat lediglich einmal in einer Sprintwertung antreten können. Sagan hat gezeigt wie explosiv er ist, Garrens muss man auch auf der Rechnung haben, und Kittel wird sicherlich auch sein Glück versuchen. Eine ganze Menge schneller Jungs denen ich alle heute einen Etappensieg zutrauen würde.

Da sich Sieberg auf der ersten Etappe so stark vorn gezeigt hat und in den letzten Tagen einigermaßen entspannen konnte lege ich meinen Joker mal auf Greipel. Daher mein Tagestipp:

Greipel vor Cavendish vor Sagan vor Kittel.

Best Regards ;-)

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Letzter Tag auf Korsika

Montag 01 Juli 2013 um 21:38

Die Fernsehaufnahmen heute von der Tour waren einmal mehr eine Hommage an die Schönheit der Landschaft dieser Insel. Die Investitionen der Korsen in diesen Tourauftakt werden sich lohnen. Aber die 3. Etappe heute war eher nicht so wie ich es erwartet habe.

Ich habe unterschätzt, dass die Mannschaften der Gesamtklassementfahrer einem Ausreißer heute keine Chance geben wollten. Das Terrain war zwar wie geschaffen für fulminante Angriffe. Statt dessen konnte schon der erste einzelne Fahrer davon fahren und man hat großzügig noch vier weiteren Fahrern den Anschluss gewährt. Zustandegekommen war dadurch eine Ausreißergruppe die keine wirkliche Gefahr für die Gesamtklassementfahrer darstellte und die auch nicht die Qualität hatte wirklich durchzukommen. Aber die Gruppe hat gut zusammen gearbeitet und bis zum letzten Anstieg gemeinsame Sache gemacht. Erst dann zerfiel die Allianz. Aber dadurch war die Etappe bis zum letzten Anstieg relativ eintönig.

An dem letzen Anstieg wurde durch Radioshack, Belkin und Saxo die Nachführarbeit so gestaltet, dass ein Bardoneur keine Chance gehabt hätte. Gilbert und Co. haben sich zurückgehalten, was ich im Nachhinein recht schade fand.

Die Hatz des Feldes zeigt dann auch seine Wirkung, die Ausreißer ließen sich nach und nach vom Feld aufsaugen und so kam es mal wieder zum umvermeindlichen Massensprint nachdem nur 500 Meter vor dem Ziel Tom Dumoulin eingeholt wurde, der einen letzten Ausreißversuch unternommen hatte. Aber um Dumoulin einzuholen musste sich der Anfahrer von Sagan schon frühzeitig an die Spitze des Feldes setzen. Dadurch war Sagan zwar in einer aussichtsreichen Position, aber sein Anfahrer konnte nicht bis auf die Zielgrade durchhalten. Er war darauf angewiesen sich an die beiden an ihm vorbeiziehenden Orica - Fahrer, an zweite Position Simon Gerrans, anzuhängen. In der Hubschrauberposition konnte man dann sehr gut erkennen, wie gut die Zusammenarbeit bei den Aussies funktionierte. Gerrans ließ in der zweite Postion ein sogenanntes Sprinterloch zu seinem Anfahrer und nahm dann seine volle Geschwindigkeit auf. Deshalb konnte auch ein Sagan mit seinem unglaublichen Antritt ihn hier nicht mehr einholen. Gut, knapp genug war es noch, keine Frage ;-) Aber für Gerrans ein verdienter Sieg! Toll gemacht! Meinen herzlichen Glückwunsch dazu!

Noch ein Wort zum meinem Favoriten für diese Etappe, Phillip Gilbert. Auch er war bis 500 Meter vor dem Ziel noch in der ersten Gruppe dabei. Seine Ambitionen auf eine Etappensieg waren durchaus real. Aber in der Hubschrauberperspektive kann man gut erkennen, dass er durch die Kurven vor der Zieleinfahrt durch das Orica-Team eingeklemmt wird und nicht durchziehen kann um nach vorn durchzufahren. Schade! Das wäre auch nochmal sehr spannend geworden.

Morgen: Mannschaftszeitfahren in Nizza

Während die Zeitabstände in den vergangenen drei Tagen durch die Massenankünfte faktisch nicht verändert wurde, wird sich dies morgen ändern. Das Mannschaftszeitfahren ist bei den Fahrern nicht unbedingt beliebt, denn die Geschwindigkeit richtet sich nicht nach dem langsamsten Fahrer sondern nach dem Schnellsten ;-) Dementsprechend hat ist es eine harte Prüfung, auch wenn die Strecke nur 25 km lang ist. 

Die Zeitabstände werden trotzdem nicht sehr groß sein. Mein Tipp:

Sky gewinnt vor Quickstep, Saxo-Tinkoff und Radioshack.

Best Regards ;-)

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Tolle 2. Etappe

Montag 01 Juli 2013 um 10:09

Die Insel Korsika, die hier bei der Tour natürlich auch mehr als umfänglich dargestellt wird, bot für die zweite Etappe bereits ein Terrain, dass einige Überraschungen bot. Wenn die Tour im Norden Frankreichs startet ist die erste Tourwoche eigentlich immer von einigen aufeinanderfolgenden Sprinteretappen geprägt. Auf Korsika bietet sich die Gelegenheit bereits am zweiten Tag erste Kämpfe in den Bergen zu bestreiten. Und davon gab es gestern einige spannende Elemente zu sehen.

Das Gruppetto mit dem amtierenden Inhaber des Gelben Trikots war mit den anderen Sprinter schnell abgehängt. Daran kann man sehen, wie sehr die Männer mit den schnellen Beinen auf ihre eigentliche Aufgabe trainiert sind. Und auch, so wie ich es einer meiner Vorschau dargestellt hatte, haben einige Bardoneure versucht in den Bergen weg zu kommen. Ich dachte eher an Gilbert und hatte so jemanden wie Voeckler gar nicht mehr auf der Rechnung. Das der alte Recke in den Bergen immer noch gern angreift hätte ich nicht gedacht. Aber die Mannschaften, die für das Gesamtklassement fahren waren rechtzeitig zur Stelle. Sky, Radioshack und Cannondale haben in den Auffahrten zu den Bergen das Tempo steht so hoch gehalten, dass keiner wirklich wegfahren konnte.

Und wie ich vermutet hatte, wurde ein Angriff durch den letzten Anstieg ermöglicht, aus dem sich dann u.A. auch so jemand wie Chavanell abesetzen konnte. Auch jemand, der für so etwas bekannt ist, aber auch nicht direkt auf meiner Rechnung stand. Ich muss mir die Fahrer wohl nochmal genauer anschauen.

Um so glücklicher, dass es der Ausreißer, mit dem niemand gerechnet hatte, noch vor Sagan ins Ziel schaffte. Eine Sekunde! Das ist doch an Spannung nicht mehr zu überbieten. Da möge doch mal einer behaupten, Radsport sei nicht spannend ;-)

Vorschau auf die 3. Etappe: Ajaccio - Calvi

Mallorca-Fahrer kennen es. Man(n) will einen ruhigen GA 1 Tag machen und fährt von Arenal an der Küste entland. Man denkt, dort ist es schön flach. Und wenn man am Ende des Tages auf seinen Höhenmesser schaut hat man 1000 HM gemacht.

So ist es auch bei der heutigen Etappe, die von Süden Korsikas an der Küste entlang nach Norden führt. Es ist an keiner Stelle wirklich flach, ein Berg der Kat. 4, zwei der Kat. 3 und einer der Kat. 2 stehen außerdem noch im Weg. Nach dem ersten Berg (3.4 km mit 4,6 %) kommt es bei km 28,5 zu einer Sprintwertung. Je nachdem ob es Ausreißer gibt werden die Punkte dort aufgeteilt, ansonsten bei den Sprintern, die über diesen Berg noch gut drüber weggekommen sind. Ich sehe Sagan da unter den ersten.

Danach ist es für die Sprinter erstmal vorbei. Ein 7,5 km Anstieg mit 5,4% wird das Feld auseinander reißen. Auch weil, wie gesagt, es an keiner Stelle wirklich flach ist.

Kurz darauf geht es nochmal 2 km mit 6,4 % hoch und dann ziemlich hügelig weiter.

Nach 132 km gibt es dann nochmal 3,3 km mit 8,1 % Steigung. Ebenfalls so wie gestern kurz vor dem Ziel. Denn mit 145,5 km ist die Etappe relativ kurz. Ich kann mir daher vorstellen, dass Bardoneure heiß sind auf diese Etappe. Dazu gehören, wie wir gestern sehen konnten, auch Voeckler und Chavanel dazu. Aber natürlich auch mein heimlicher Favorit für solche Angriffe, Gilbert. Fraglich ist, wie stark dieser in die Teamstrategie eingebunden ist.

Die Fahrer des Gesamtklassements haben natürlich andere Ziele. Sie wollen mit der erste Gruppe reinkommen und keine Zeitabstände aufkommen zu lassen. Aber das Terrain ist tückisch. Man wird heute nicht sehen wer die Tour gewinnt, aber Fahrer des Gesamtklassements die heute abgehängt werden könnten zu den Verlierern zählen.

Ich bin für Angriff und Spannung. Daher mein Tagestipp:

Es wird schon früh Angriffe und Attacken geben, aber Mannschaften wie BMC, Radioshack, Cannondale und Sky werden das verhindern wollen. Daher werden die Sprinter schon schnell abgehängt. Zeitgerecht vor dem letzten Berg wird ein Bardoneuer sein Glück versuchen und es wird schwer für die Mannschaften ihn wieder einzuholen. Ich hoffe das er durchkommt.

Best Regards ;-)

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Was für ein Auftakt!

Samstag 29 Juni 2013 um 23:30

Was für ein Auftakt für ein Tour! Wie ich vermutet hatte waren alle Fahrer bis auf die Haarspitzen motiviert und entsprechend nervös. Trotzdem hielten sich die Anzahl der Stürze am Anfang in erfreulichen Grenzen. Das lag sicher auch daran, dass bereits die erste Gruppe fahren gelassen wurde, und sich dadurch im Feld ein wenig Ruhe eingestellt hat.

Hecktisch wurde es erst wieder als es in Rtg. Ziel ging und die Ausreißer wieder eingeholt worden waren. Schade, schade, ich hätte gern ein spannendes Duell mit Andre Greipel gesehen. Umso ärgerlicher, dass dieser so kurz vor dem Ziel ein abgerissenes / abgebrochenes Schaltwerk hatte.

Ungewöhnlich auch die Situation mit dem Bus von Orcia im Ziel der Etappe. So etwas hat es bestimmt noch nicht gegeben. Und durch die Hektik die darauf hin entstand ist sicherlich bei den Fahrern eine entsprechende Unsicherheit entstanden.

Der Zielsprint war dann eine tolle Leistung von Marcel Kittel, den ich zwar relativ weit vorn gesehen habe, aber gegen Cavendish und Greipel keine Chance eingeräumt hätte. Auch, weil Greipel mit Sieberg über den besseren Anfahrer verfügt. Sieberg war auch vorn drin, wusste aber offensichtlich nicht, dass sein Kapitän einen Defekt hatte. Im Zielsprint schaute er sich immer wieder um und suchte nach Greipel. Wenn er gewusst hätte, was passiert war, wäre er sicherlich auf eigene Rechnung gefahren. 

Kittel hat sich recht weit nach vorn durchfahren lassen, aber ich hatte den Eindruck, dass sein Anfahrer fast noch zu früh rausgegangen war. Auch war Kittel sehr weit nach links von den anderen Fahrern abgesetzt. Das senkt zwar das Sturzrisiko, sorgt aber auch dafür, dass er recht lange im Wind fahren muss, und nicht so gut Maximalgeschwindigkeit aufnehmen kann. Trotzdem herzlichen Glückwunsch dass er sich gegen den Katjusha-Fahrer hat durchsetzen können, der zumindest auf einem deutschen Canyon-Bike unterwegs war. Also im weiteren Sinne eigentlich ein deutscher Doppelsieg ;-)

Vorschau auf die 2. Etappe: Bastia - Ajaccio

Kittel wird zwar auf der zweiten Etappe im gelben Trikot starten, aber ich glaube nicht, dass er es am Ende des Tages noch tragen wird. Die zweite Etappe hat es nämlich in sich!

Los geht es in Bastia, dem Zielort der ersten Etappe. Am Anfang ist es noch recht flach, das Peloton hat also einige Zeit eine Fluchtgruppe zu testen und zuzulassen. Mich würde es wundern, wenn es diesmal wieder so schnell geht, wie bei der ersten Etappe. Denn bei Kilometer 33 kommt es zu einer Sprintwertung. Ich kann mir vorstellen, dass die Sprinterteams versuchen werden das Feld vorher zusammen zu halten, um nach dem Desaster heute, Lotto Beliso, Sky und Cannondale die Chance zu geben, um die Sprinterpunkte zu fahren, und sie nicht einem Ausreißer zu überlassen.

Danach ist die Zeit der Sprinter für diesen Tag vorbei sein, denn nach 45 km geht es schon langsam hoch, und schließlich bis km 70 zum ersten Kat 3 Berg (6,6 km bei ca. 4,6 %). Wenn dort das Feld noch halbwegs zusammen fährt, wird es spätestens an den darauf folgenden Kat. 3 und Kat.2 Berg auseinander gefahren werden. 

Hier werden sich die Kandidaten für das Gesamtklassement das erste mal belauern und schauen, ob irgendjemand eine Schwäche zeigt. Die Sprinter werden sich am Ende des Pelotons wiederfinden. Sie müssen auf die nächste Gelegenheit warten. Aber es bieten sich noch viele dafür.

An der langen über 30 km langen Abfahrt werden die Gruppen wieder zusammenfahren. Gute Abfahrer sind hier im Vorteil. Ob die Sprinter hier wieder anschließen können? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Aber es besteht die Möglichkeit dass ein kämpferischer Fahrer, der gut über Berge kommt, hier versucht nochmal weg zu kommen. Ich denke da an so jemand wie Gilbert oder Joaquim Rodriguez. Gerade Rodriguez hätte mit seinen Fähigkeiten den letzten Berg schnell hochzufahren gute Chancen auf einen Tagessieg.

Denn 12 km vor dem Ziel geht es nochmal mit fast 9 % für einen Kilometer hoch. Das könnte das Feld nochmal auseinander reißen und den Massensprint verhindern. Und wenn bis dahin ein Fahrer vorn ist und am letzten Berg keine Zeit verliert, könnte er die letzten 12 km durchhalten und einen Alleinsieg einfahren.

Für diese Etappe eine Prognose abzugeben ist recht schwierig. Denn nach der ersten Etappe heute kann man Stärken und Schwächen der Fahrer noch nicht erkennen. Es ist daher genauso gut möglich, dass eine Spitzengruppe zusammen bleibt und im Ziel die Gruppen nur wenige Sekunden auseinander liegen werden.

Ich hoffe auf das erste Szenario, denn das ist sicherlich spannender ;-)

Mein Fazit: Auf jeden Fall wird ein neuer Fahrer das Gelbe Trikot übernehmen. Und es wird jemand sein, der nicht zu den Favoriten gehört. Ich tippe auf so jemanden wie Gilbert oder Rodriguez. Die Gruppe mit den Favoriten wird unmittelbar darauf geschlossen mit der gleichen Zeit einfahren.

Ich bin gespannt!

Best Regards ;-)

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Tour de France 2013

Freitag 28 Juni 2013 um 23:00

Es ist wieder so weit. Das größte Radrennen der Welt beginnt! Die Tour de France 2013. Es ist die 100. Tour de France, die in diesem Jahr ausgetragen wird. 

Ein Kollege fragte mich in den vergangenen Tagen, ob ich nach all den Doping-Skandalen überhaupt noch Lust hätte mir dieses Spektakel anzuschauen. Das kann ich zu 100 Prozent bejahen. Heute gab es einen Artikel auf Spiegel Online, der ziemlich genau beschreibt, wie es auch mir damit geht.

Ich würde auch genauso gern wieder die Olympischen Spiele im Fernsehen anschauen, obwohl ich auch dort weiß, dass der eine oder andere Athlet mit unlauteren Mitteln gearbeitet hat. Das bedeutet nicht, dass ich Doping gut heiße, im Gegenteil. Ich denke, dass ein solcher Betrug an den anderen Fahrern eine riesige Schweinerei ist. Aber ich bin auch so realistisch, dass ich mir gut vorstellen kann, dass die Verlockungen des Geldes zu groß sein kann.

Ich freue mich sehr auf die nächsten drei Wochen, auf die Berichte im Fernsehen, auf die Bilder der Landschaft vom Hubschrauber aus, auf die Massensprints, auf die Duelle in den Bergen, auf die taktischen Spielchen der Manschaften gegeneinander und miteinander. 

Etappenanalysen

Auch in diesem Jahr werde ich ausgehend von den sich Tag für Tag verändernden Situationen meine Etappenanalysen hier aufschreiben und werde versuchen vorherzusehen, wer die jeweilige Etappe gewinnt. Ich habe mal damit angefangen, weil es im Internet Gewinnspiele gab, bei denen es die Möglichkeit gab etwas zu gewinnen, wenn man den richtigen Tipp abgegeben hat. Mittlerweile finde ich die taktischen Spiele und die Beobachtung der Fahrer und das Verhalten der Mannschaften so spannend, dass ich auch weiterhin solche Analysen machen werde, obwohl es keine Gewinnspiele mehr gibt. Genauso wie letztes Jahr werde ich die hier veröffentlichen.

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