Trainingslager Gran Canaria

Freitag 10 Januar 2014 um 23:23

Radfahren in der sonnigen Wärme, wenn es in Deutschland im Januar noch eisig ist? Das ist möglich! Und man muss dazu nicht nach Südafrika fahren (obwohl ich dort gern mal hinmöchte ...). Auf Mallorca ist es im Januar unter Umständen ebenfalls noch sehr frostig. Man kann zwar schon einige warme Tage haben, aber darauf vertrauen? Und dann doch mit Handschuhen durch die Gegend fahren und Schnee in den Bergen genießen? Nee, lieber nicht.

In den vergangenen Jahren hat sich eine weitere spanische Insel zum Wintertrainingsziel gemausert. Gran Canaria! In Sachen Klima ein kleiner Mini-Kontinent. Und der Ausbau hinsichtlich Fahrrad-Infrastruktur? Nun ja, nicht so wie DIE Radfahrinsel Mallorca, man muss schon ein wenig nach Informationen suchen. Daher hier ein Abriss, welche Vorbereitung ich getroffen habe, wie es mir jetzt in den ersten drei Tagen ergangen ist, und was ich in den nächsten Tagen noch vor habe. Ich hoffe, diese Informationen helfen dem ein- oder anderen bei seiner Vorbereitung.

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Ein packendes Finale

Montag 29 Juli 2013 um 07:30

Das Wetter ist im Moment einfach zu gut als dass ich hätte es schaffen können, meine Etappenbewertungen zu Ende zu führen. Aber das will ich hier nun nachholen.

18. Etappe: Gap > Alpe-d’Huez (172.5 km)

Die Etappe nach Alpe d´ Huez war die letzte wirkliche Möglichkeit für Contador den Gesamtführenden Froome nochmal anzugreifen. Und es war eine unglaubliche Etappe mit zwei Anstiegen über die berühmten Kehren des Skiortes, der sonst nicht anders zu erreichen ist (außer mit dem Hubschrauber vielleicht ...).

Das Jens Voigt es auf seiner vermeintlichen letzten Tour nochmal versucht war klar. Ich hatte bereits früher damit gerechnet und vor allen Dingen auf einer Etappe, auf der er eindeutig mehr Chancen gehabt hätte. Ich habe es ihm gegönnt, aber im zweiten Anstieg konnte man sehen, dass er einfach nicht mehr die Kraft hatte.

Und dass es Rodriguez nochmal schaffen würde sich weiter nach vorn zu fahren, damit hätte ich auch nicht gerechnet. Natürlich ist er ein ausgewiesener Kletterer, und er war in den Bergetappen immer in der  Spitzengruppe dabei, oder zumindest direkt im Anschluss daran unterwegs. Aber dass er es schaffen würde sich klammheimlich weiter nach vorn zu fahren ohne aufzufallen und somit auch nicht unter Druck zu geraten, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber den Tages-Coup hat ein ganz anderer eingefahren. Mit seinem Sieg bei der Fahrt nach Alpe d´ Huez hat Riblon, der bereit in den vergangenen Tagen ebenfalls in den Außerreißergruppen mitgefahren war, für Frankreich etwas besonderes gebracht. Es war schon unglaublich wie er von dem Publikum getragen den Berg hinaufgeschnellt ist. Und man konnte ihm seine Erschöpfung im Ziel deutlich ansehen. Man wird sich insbesondere in Frankreich an seinen Sieg noch lange erinnern, denn er hat für die französische Seele dabei etwas Besonderes geleistet.

19. Etappe: Bourg-d’Oisans > Le Grand-Bornand (205 km)

Zum Schluss der Tour haben sich die Veranstalter nochmal etwas besonderes ausgedacht, um die Spannung zu halten. Nach der Etappe nach Alpe d´Huez meint man, das sei es gewesen. Aber diese 19. Etappe stellte noch mal eine richtige Herausforderung dar.

Und dass die Fahrer mittlerweile auch am Ende ihrer Kräfte waren konnte man an diesem Etappenverlauf erkennen. Schon nach kurzer Zeit zerfiel das Peloton und es bildeten sich unterschiedliche Gruppen. Die Ausreißergruppe war teilweise bis zu 44 Fahrer stark, und das ist schon sehr außergewöhnlich. Das zeigt erfreulicherweise, dass Doping doch nicht mehr an der Tagesordnung ist, denn normalerweise wird man das von einem Gesamtführenden oder der führenden Mannschaft der Mannschaftswertung immer versuchen zu verhindern. Aber wie wenn man keine Kraft mehr hat?

Zwei Fahrer konnten sich aber dennoch ein wenig absetzen, Rolland und Hesjedal. Und so gestaltete sich der Tag so, dass er im wesentlichen daraus bestand, diesen Fahrern hinterher zu fahren. Und es gab keinen der das besser gemacht hat als Rui Costas. Der Portugiese hat ein zweites Mal eine Methode angewandt, zu einem richtigen Zeitpunkt die Verfolgung aufzunehmen, und bei einer Zielankunft nach einer Abfahrt alle Karten auszuspielen. Damit hat er die zweite Etappe mit der gleichen Methode gewonnen.

20. Etappe Annecy > Annecy - Semnoz (125 km)

Diese 20. Etappe war eher davon geprägt, dass es hier nicht um das gelbe, sondern um das gepunktete Trikot ging. Pierre Rolland, der am Start mit einen Punkt hinter Froome den zweiten Platz in dieser Punktewertung inne hatte startete direkt einen Frontalangriff. Er scherte direkt nach dem Start aus und versuchte sich abzusetzen. Ihm haben sich dann auch schnell ein paar Fahrer angeschlossen, unter ihnen wieder mal Jens Voigt. Aber es war schon vor Beginn der Etappe klar, dass sich Movie-Star hier nicht die Kontrolle aus der Hand nehmen lassen wollte. Das war quasi wie eine Ansage, und sie wollten nicht wieder so einen taktischen Fehler machen, wie auf der Etappe, bei der Valverde seinen Anschluss an die Spitzengruppe verlor. Und so kontrollierte Movie-Star das Feld schon früh und ließen die Ausreißer kaum mehr als eine Minute weg. Aber Rolland holt sich seine Punkte, zumindest bis zu vorletzten Berg. Denn da trat Jens Voigt nochmal an und versuche 60 km vor dem Ziel es nochmal im Alleingang. Aber er wird schließlich 8.5 km vor dem Ziel von der Gruppe um das gelbe Trikot eingeholt. Und dort beginnt die Schlacht um das Podium.

Rodriguez weiß, dass er auf keinen der anderen Spitzenfahrer mehr zählen kann. Er kann es nur selbst richten. Contador und Kreuziger werden schon früh von Froome abgehängt. Und so bleiben nur die drei übrig: Froome, Quintana und .... Rodriguez, der in den letzten Tagen kontinuierlich immer weiter nach vor gefahren ist. Er schaut die anderen beiden an und spricht auch mit ihnen. Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen, was er zu den beiden anderen gesagt hat. Aber fakt ist, dass er die Führung auf dem Anstieg übernimmt und nur Quintana und Froome ihm folgen können. Und man kann sehen wie sehr er arbeiten musste.

Nur wenige hundert Meter vor dem Ziel nutzt Quintana die Möglichkeit einen Angriff zu plazieren und fährt den anderen beiden davon. Rodriguez kann auch nicht verhindern, dass auch Froome davon zieht. Aber er hat genügend Vorsprung auf Contador und Kreuzinger herausgefahren, dass es ihm gelingt an den beiden vorbei das Podium zu erreichen. Strahlender Tagessieger: Quintana, der damit nicht nur das weiße Trikot des besten Jungprofis nach Paris trägt, sondern auch das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers, das Rolland so gern gerettet hätte.

21. Etappe: Versailles > Paris Champs-Élysées (133,5 km)

Drei Wochen Strapazen, und jetzt ist der letzte Tag angebrochen. Auf dieser Etappe wird nicht mehr attackiert, bis es auf den Champ-Élysées geht. Man feiert sich, und zwar zu Recht. Ich finde es gut, dass dies so ist, denn das ist der Tag an dem man alles nochmal Revue passieren lassen kann. Man muss sich vor Augen halten, was das für Strapazen sind, die die Fahrer hier auf sich genommen haben. Der, der es bis hier geschafft hat, soll es auch mal ruhig angehen lassen können.

Aber diese Etappe hält auch noch ein absolutes Highlight der Tour vor, das Etappenfinale auf dem Champs-Élysées! Ein letzter Tag für die Sprinter, und ein besonderer dazu.

Dieses mal sollte das Etappenfinale erst abends statt finden, fahren unter Flutlicht sozusagen. Und es war ein tolles Finale. Bereits nach den ersten Kilometer auf dem Champs wird das Tempo merklich erhöht. Millar kann sich absetzen, fährte eine Zeitlang spektakulär direkt vor dem Feld, wird aber 20 km vor dem Ziel wieder einholt. Eine Dreiergruppe mit Valverde, dem Pechvogel dieser Tour, versucht es, kann aber den Abstand nicht halten, als die Sprinterzüge in Bewegung gesetzt werden. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit die Sprinter in Position gefahren werden. Omega liegt dabei in bester Position, aber Argos - Shimano schafft es trotzdem, Kittel direkt vorn abzusetzen. Und was macht der? Er fährt den Sprint von vorn, 80 Meter vor dem Ziel setzt er bereits an, an seinem Hinterrad Cavendish, der noch ein wenig von Greipel bedrängt wird, der sich ebenfalls versucht an das Hinterrad von Kittel zu hängen. Aber nichts ist der unbändigen Kraft von Kittel gewachsen. Er schafft seinen Vorsprung bis ins Ziel zu bringen und gewinnt diese Etappe auf dem Champs-Élysées. Greipel Zweiter! Was für ein Erfolg aus deutscher Sicht!

Bergzeitfahren

Donnerstag 18 Juli 2013 um 10:10

Es kam wie es kommen musste! Das zweite Zeitfahren dieser Tour de France wurde durch den derzeitigen Gesamtführenden Chris Froome gewonnen, mit 9 sek. Vorsprung vor Alberto Contador. Während die ersten Starter noch die besten Wetterbedingungen hatten zog es sich im Verlauf des Tages immer mehr zu und führte schließlich zu ergiebigen Regenfällen. Angesichts der Strecke, die nach dem ersten Berg der Kat. 2 eine kurvige Abfahrt vorsah, kein leichtes Unterfangen.

Der derzeitige Träger des gelben Trikots meisterte dies jedoch aus meiner Sicht erwartungsgemäß. Er hat bereits im ersten Zeitfahren seine Qualitäten diesbezüglich unter Beweis gestellt, und daher war die Prognose auch nicht besonders schwer. Trotzdem wurden die letzten Kilometer der beiden Kontrahenten nochmal zu einem kleinen Radsportkrimi, denn Froome lag bei der letzten Zeitmessung noch hinter Contador.

9 Sekunden Vorsprung sind nicht viel, aber dadurch konnte der Gesamtabstand leicht vergrößert werden. Wenn jetzt nichts Außergewöhnliches mehr passiert ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Froome die Tour 2013 gewinnen wird.

Reflexartig gingen dann aber bspw. bei den Leserbeiträgen zur Berichterstattung auf Spiegel Online die Doping-Beschuldigungen los. Natürlich mutet diese Leistung gemessen an den Strapazen und der gefahrenen Geschwindigkeiten als nahezu unmenschlich an. Aber ist es nicht genau das, was die Tour ausmacht?

Leute aus meinem Bekanntenkreis ziehen die Luft durch die Zähne, wenn ich bspw. sage, dass ich vorgestern 90 km als "Feierabendrunde" gefahren bin, und dann tags darauf nochmal die gleiche Strecke bewältige. Jeder, der mal mit einem Rennrad eine längere Strecke gefahren ist wird feststellen, dass dies durchaus nicht so dramatisch ist, wie es sich anhört. Und hier? Es nicht sein kann was nicht sein darf?

Froome hat bereit bei der letzen Tour als Helfer von Wiggins gezeigt, dass er in einigen Passagen schneller war als sein Leader. Dieses Jahr hat er die Möglichkeit seine Leistungen voll auszuspielen. Er tut dies häufig ohne umfängliche Unterstützung seiner Mannschaft, weil außer Ritchie Porte niemand so Leistungsstark ist ihm folgen zu können. Und er "verheizt" seine Leute auch nicht und zwingt sie für ihn zu fahren. Vielleicht sieht es deshalb so dramatisch aus.

Natürlich ist nach der Doping-Vergangenheit der Tour Skepsis berechtigt und erforderlich, und man sollte ganz genau hinschauen. Aber grundsätzlich bewegt sich aus meiner Sicht noch alles im Rahmen. Ich kann erkennen, dass das Sky-Team mit viel Taktikgefühl und guter Beobachtung der Gesamtsituation agiert, und kein anderes Ziel kennt als den Gesamtklassementsieg ihres Leaders.

Und ich glaube, den wird Froome heute manifestieren.

18. Etappe: Gap - Alpe d´Huez (172,5 km)

Heute kommt der High-Noon dieser Tour. War die Bergetappe zum Mount Ventoux schon ein Spektakel wird heute noch einmal draufgelegt. Es geht von Gap nach Alpe d´Huez, dem kleinen Bergdorf, das für viele zum Inbegriff der Tour schlechthin geworden ist. Die Zeitung "Die Zeit" nennt dies den Berg der Fahrrad-Verrückten. Und genauso muss es einem auch vorkommen, wenn man als Zuschauer vor dem heimischen Fernsehen beobachtet, was heute dort passieren wird. Der Bericht der Zeitung ist übrigens total lesenswert und toll gemacht, und man sollte ihn sich unbedingt mal anschauen. Heute geht es sogar zweimal nach Alpe d´Huez hinauf, die 12,3 km mit im Schnitt 8,4 Prozent. Und wer wirds gewinnen?

Heute ist der letzte Tag an dem Frooms Kontrahent Contador die Tour nochmal drehen kann. Vielleicht ist er gestern nicht unabsichtlich Zweiter geworden und hat sich seine letzte Kraft für heute aufgespart. Auch für Quintana als ausgewiesenen Kletterer könnte heute der Tag der Tage werden. Rodriguez vom Katjusha-Team könnte hier ebenfalls nochmal eine Kerze zünden, jedoch ist sein Abstand mit über sieben Minuten auf Froome zu groß, als das er sich an die Spitze fahren könnte. Aber er könnte seinen bisher schon sehr guten sechsten Platz nochmal verbessern. Und Bauke Mollema? Auch er könnte gestern im Zeitfahren Kraft für heute aufgespart haben. Denn sein Zeitfahrpotential ist nicht so gut, dass er von vorn herein zu einer Konkurenz für Froome oder Contador hätte werden können. Schwer zu sagen. Man sagt immer, das gelbe Trikot verleiht Flügel, und ich kann mir vorstellen, dass Froome so kurz vorm Ziel alles geben wird. Aber ich glaube an den Kampf, an das Unvorhersehbare, an das Unmögliche.

Daher also mein Tipp:
Contador setzt alles auf eine Karte und kann sich im entscheidenden Moment absetzen, Froom lässt ihn fahren, bleibt aber im Gesamtklassement vorn. Rodriguez kann sich noch einen Platz verbessern (ich würde es vor allen Dingen Canyon gönnen) und Quintana holt sich Bauke Mollema.

Best Regards ;-)

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Endlich mal ein Ausreißer

Mittwoch 17 Juli 2013 um 08:23

Gestern um 18:00 Uhr trafen wir uns am Maschsee, und eine der ersten Fragen die sofort gestellt wurde war: "Glaubst Du das Froome sauber ist?" Auch hier war die Frage nach Doping schon angekommen, und das bei Leuten die genauso wie ich Fans des Radsports sind und eigentlich eher auf der positiven Seite stehen.

Ja, es ist leider so, und so wird es auch noch einige Jahre weiter gehen. Immer wenn jemand außergewöhnliche Leistungen vollbringt, so wie Froome bei der diesjährigen Tour, wird die Frage nach dem Doping gestellt. Es ist auch ziemlich unglaublich wie dieser Fahrer in den Bergen nach einem mehr als 40 minütigen Aufstieg mit einem unglaublichen Tempo antritt und mit einer extrem hohen Trittfrequenz davon zieht. Jeder der selbst Rad fährt weiß welche Schmerzen das in den Beinen bedeutet. Ist das möglich?

Aus meiner Sicht gilt die Unschuldsvermutung, d.h. so lange nichts nachgewiesen worden ist muss ich auch daran glauben, dass hier nicht gedopt worden ist. Aber man macht sich trotzdem seine Gedanken. Für die Fans des Radsports wäre ein weiterer Dopingfall bei der Tour ein Ereignis, dass den Sport endgültig in eine andere Galaxie bomben würde. Dann würde niemand mehr über Radsport berichten wollen.

Nun aber zur gestrigen Etappe, bei der es mit Rui Costa endlich mal ein Ausreißer geschafft hat. Wie ich vermutet hatte war schon früh klar, dass im Feld keine großen Anstrengungen unternommen werden. Dazu sind die kommenden Tage zu hart. Und so konnte sich eine große Ausreißergruppe formieren, die auch einen entsprechenden Abstand herausfahren konnten. Wie ich vermutet hatte waren auch Voeckler und Gilbert dabei, aber offensichtlich waren die vergangenen Tage zu hart, als dass sie hier die Kraft gehabt hätten davon zu ziehen. Das konnte aber Rui Costa, der bereits mit guten Leistungen dieses Jahr auf sich aufmerksam hatte machen können. Den ich aber gar nicht auf der Rechnung hatte. So sehr kann man daneben liegen ;-)

Das anschließende Intermezzo zwischen Froome und Contador zeigte aber auch deutlich, dass die Unterschiede zwischen den beiden Fahrern nicht groß sind. Contador konnte nicht davon ziehen, alle seine Angriffe wurden pariert, entweder von Ritchie Porte oder von Froome selbst. Wieder mal ein guten Beispiel wie sehr Radsport eine Mannschaftssportart ist. Auch Contador hat mit Roman Kreuziger eine guten Helfer an der Seite. Aber auch seine Attacken waren nicht von Erfolg gekrönt.

Eine Schrecksekunde bei dieser legendären Abfahrt gab es noch, als Contador sich in der Kurve versteuerte und vom Rad musste. Unweigerlich kamen einem da die Bilder von 2003 in den Kopf, als Joseba Belocki dort gestürzt ist. Gott sei Dank ist aber nicht viel passiert. Und Contador konnte dann mit Froome und Porte auch wieder auf die Gruppe um Quintana auffahren, die wohl etwas verhaltener gefahren waren. Auch eines der schönen Zeichen eine fairen Radsports, als Contador sich bei Quintana dafür bedankte.

Wie ich vermutet hatte blieben die Zeiten der Gesamtklassementfahrer so in einem gleichen Abstand. Viel Zeit hat Contador nicht mehr, einen Angriff zu starten. Der Showdown kommt daher meiner Meinung nach auf der Etappe nach Alpe d´Huez.

Heute: Einzelzeitfahren

Heute gibt es das zweite Einzelzeitfahren dieser Tour auf einer Strecke die nicht einer klassischen Zeitfahrstrecke entspricht. Es geht über zwei Hügel drüber weg, die jeweils der zweiten Kategorie zugeordnet werden. Es wird daher spannend zu sehen, mit welchen Rädern die Fahrer an den Start gehen. Tony Martin hat angekündigt nach der ersten kurvigen Abfahrt das Rad wechseln zu wollen.

Der erste Anwärter auf den heutigen Etappensieg ist Froome, denn er hat in den vergangenen Tagen die beste Leistung gezeigt. Es ist gutes Wetter zu erwarten. Aber aus der Vergangenheit wissen wir, das nicht immer alles gut gehen muss beim Zeitfahren. Unvergessen sind die Scenen, als Rasmussen wegen Defekts Zeit verlor, oder Bjarne Ries sein Zeitfahrrad in den Graben schmiss.

Trotzdem mein Tipp: Froome gewinnt das Zeitfahren!

Best Regards ;-)

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Ausnahmeathleten sind Ausnahmen

Dienstag 16 Juli 2013 um 00:18

Zunächst einmal möchte ich meinen Unmut über Eurosport loswerden! Ja, ich hätte gern alle Etappen gesehen, aber machmal muss man auch sein Leben organisieren, und dann ist man froh, wenn man in der Programmvorschau sieht, dass die Etappe vom Tage um 23:45 wiederholt wird.

Also vermeide ich bis dahin sowohl in den Spiegel Liveticker zu schauen und schaltete sogar die Nachrichtensendung aus, als das Thema Tour de France angeschnitten wurde. Am Abend dann halte ich mich in freudiger Erregung wach, und .... EUROSPORT ÜBERTRÄGT NICHT !!!! Statt dessen gibt es Fußball der U19! Ich warte bis 01:20 Uhr, und nichts wird wiederholt. Bitte Eurosport, wenn ihr das schon ankündigt, dann haltet Euch auch daran. Fußball gibt es das ganze Jahr, aber die Tour ist nur drei Wochen, und nicht alle können zu dieser Zeit Urlaub nehmen.

Deshalb kann ich zu der 14. Etappe auch nicht viel sagen, außer dass, was ich gelesen habe, oder die paar Szenen, die ich auf Youtube finden konnte. Aber das ersetzt nun mal nicht die Übersicht über die taktischen Spielchen, die man sonst bei einer ganzen Etappe beobachten kann.

Aus diesen Grund habe ich mir die Übertragung der 15. Etappe auch gleich am Tage angeschaut. Die bestand eigentlich nur aus dem Abschnitt hinauf auf den mystischen Berg. Als kurz nach dem Einstieg Silvan Chavanel dem Feld davon fuhr, habe ich mir gewünscht, er würde es schaffen. Aber es war klar, dass er nicht die Qualitäten eines Kletters hat. Er ist eher ein Bardoneur und kein ausgewiesener Bergfahrer.

Bis in die Mitte des Berges konnte sich eine relativ große Gruppe halten, aber dann bröckelten immer mehr Fahrer aus dem Feld. Mit Klöden und Schleck auch sehr bekannte Namen. Und so blieb schließlich Froome mit Ritchie Porte und einem weiterne Fahrer von Sky an der Spitze übrig und machten die Pace. Contador in seiner sehr typischen springenden Fahrweise am Berg immer an seinem Hinterrad.

Nachdem Valverde durch sein Reparaturpech den Anschluss an die Spitze verloren hat gibt es im Team Moviestar einen neuen Leader. Nairo Alexander Quintana Rojas, ein toller Name finde ich. Der kleine Kolumbianer ist für die dritte Tourwoche ein aussichtsreicher Kandidat, denn er ist ein ausgewiesener Kletterer.

Quintana ist an einer eher unscheinbaren Stelle schon recht früh aus dem Feld herausgefahren. Im weiteren Verlauf muss man aber sagen, dass dies ein taktisch sehr günstiger Zeitpunkt war, denn so konnte er in seinem eigenen Rythmus einen recht schwierigen Teil mit gleichmäßiger Geschwindigkeit den Berg herauf fahren. Hinter ihm versuche ein spanischer Fahrer aus dem Euskatel-Team ebenfalls aus dem Feld zu fahren, was ihm zunächst auch gelang.

Dann war Froome gezwungen in die Verfolgung zu gehen, dazu ließ er sich von Porte mit einer hoher Geschwindigkeit am Berg anziehen und ging im richtigen Moment in eine Attacke über. Ich kenne dieses Gefühl gut, wenn jemand am Berg vor einem plötzlich anzieht. Das ist auch vom Kopf her unfassbar. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass Contador, der sich in diesem Moment plötzlich mit der Antrittsgeschwindigkeit von Froome konfrontiert sah, ihm nicht mehr folgen konnte. Ein Freund von mir sagt immer, "der Kopf fährt mit ..." und das war es hier auch.

Contador musste reißen lassen und Froome nutze dies um auch an dem Euskatel-Fahrer in hohen Tempo vorbei zu gehen. Contador könnte zu dem anderen Spanier aufschließen und versuche ihn zu überreden, gemeinsam die Verfolgung aufzunehmen. Aber auch der andere Spanier fuhr am Limit.

Einzig Quintana konnte Froome Paroli bieten. Froome ist viermal angetreten, konnte ihn aber nicht abschütteln. Erst im fünften Angriff kam er weg. Das ist schon eine unglaubliche Willenstärke, denn man konnte sehen, dass Froome auch an seinen Grenzen angelangt war. Und so konnte Froome die Etappe überlegen gewinnen und Zeit auf seine Verfolger gut machen. Etwas, was von der Sky-Mannschaft auch sicherlich als taktisches Element angepeilt wurde. Aber dieser Ritt hat Körner gekostet. Zwar hatten die Fahrer gestern einen Ruhetag, aber auch bei einem solchen Spitzenfahrer wie Froome wirkt ein solcher Ritt nach.

Und damit sind wir auch schon bei der Vorbereitung der heutigen Etappe.

Etappe 16: Vaison la Romaine - Gap (168 km)

Heute geht es nach Gap, einem Ort, der in den Ohren der Radfahrer ein sehr klingenden Namen hat. Denn von hier gehen die Strecken zu vielen französischen Alpenpässen los, wie z.B. dem Izoard oder eben auch nach Alpe d´Huez. Aber zuvor geht es nach Gap, zwar sicherlich etwas gemächlich nach dem Ruhetag, aber trotzdem eine Strecke, die ihre Tücken hat. Vielleicht ist sie deshalb für einen Ausreißer geeignet, der Kraft hat. Zwei Berge der 2. Kategorie müssen die Fahrer bewältigen. Der letzte Anstieg, die 9,2 Kilometer lange Fahrt hinauf zum 1268 m hohen Col de Manse (5,2 Prozent Steigung im Schnitt), gilt trotz der relativ niedrigen Einstufung als anspruchsvoll. Zum Schluss kommt es zu einer schwierigen Abfahrt, an die sich seit 2003 sicherlich jeder erinnern kann. Hier war Joseba Belocki von der Once-Mannschaft gestürzt und hatte sich das Becken gebrochen. Danach konnte er nie wieder bei einem Rennen einen Podiumsplatz erreichen. Unvergesslich auch Lance Armstrongs Ausweichmanöver quer durchs Feld.

Froome wird heute seine Mannschaft einspannen müssen, denn Moviestar und Tinkoff werden versuchen anzugreifen und Zeit zurück zu gewinnen. In einem Einzelduell wird man ihm nicht so schnell Zeit abjagen können. Wir werden sehen wie gut sich die Klassementfahrer an dem Ruhetag erholt haben. Schön wäre es natürlich aus Sicht der Zuschauer, wenn ein starker Ausreißer sein Glück versuchen würde. Nachdem auch Evans in der Gesamtwertung relativ weit abgeschlagen ist, bekommt vielleicht Phillip Gilbert seine Chance. Aber auch andere Fahrer wie Klöden, Vogt, Degenkolb (wenn man das aus deutscher Sicht betrachtet) könnten ihre Chance suchen. Nicht zu vergessen eine der alten Recken wie bspw. Voeckler.

Daher mein Tipp:
Die Sprintermannschaften fahren heute im Ziel im Grupetto hinterher, eine größere Ausreißergruppe (20 Fahrer oder mehr) wird schon früh versuchen wegzukommen. Wenn ein starker Fahrer in einer solchen Ausreißergruppe alles auf eine Karte setzt, kann er heute eine Etappe gewinnen. Die Gesamtklassementfahrer werden entweder geschlossen, oder mit geringen Abständen in Gap ankommen. Froome wird heute wieder Zeit auf seine direkten Konkurenten verlieren.

Best Regards ;-)

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Neue Etappe, gleiches Spiel

Freitag 12 Juli 2013 um 10:19

Es ist schon unglaublich! Niemand hätte sicherlich damit gerechnet, dass ausgerechnet für die deutschen Fahrer die 100. Tour de France so viel Erfolg bringen würde.

Wie ich vermutet hatte wurde eine Ausreißergruppe früh weggelassen und zeitgerecht wieder eingeholt. Meine Hochachtung an Antonio Flecha, der zum wiederholten Mal in einer Außerreißergruppe zu finden war. Aber die Etappe war nicht dazu geeignet Ausreißern auch nur den Hauch einer Chance zu lassen. Demensprechend konnte sich das Sky-Team auch gut zurückhalten, denn die Sprintermannschaften waren schnell dabei die Nachführarbeit zu leisten.

Pech für Andre Greipel, aber ein Sturz in so einem Gedränge kann immer passieren. Er kann eigentlich froh sein, dass er sich noch auf dem Rad halten konnte. Ewald Bosson Hagen hat sich dabei einen Schulterbruch zugezogen. Aber dadurch konnte Greipel nicht mehr in den Zielsprint eingreifen. Und das ist sicherlich insofern schlecht, weil Sagan dadurch in der Punktewertung immer unerreichbarer wird. Aber so ist dieser Sport nunmal, gerade beim Massensprint, Freud und Leid liegen sehr häufig ganz eng beieinander.

Um so unglaublicher der Sprint von Marcel Kittel, dem sogar der unterlegene Cavendish seinen Respekt zollte. Ich glaube, dass er durch diese Erfolge so euphorisch ist, dass er glaubt, ihn würde nichts mehr stoppen können. Dieses Selbstvertrauen trägt glaube ich nicht wenig zu seinen derzeitigen Erfolgen bei.

Am Rande sei noch zu erwähnen, dass mittlerweile der Hashtag #tdf bei Twitter mehr als 30.000 Nachrichten generiert. Die meisten sind aber nicht in deutscher Sprache. Ich hatte dabei ein kleiner Intermezzo mit der ARD-Redaktion (@ARDde), denen von einigen Twitterern mittlerweile die mangelnde Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgehalten wird. (Auch von mir!) In den Antworten stellten sie dar, dass gerade auch in der beliebtesten Nachrichtensendung der ARD, den Tagesthemen, ein umfangreicher Bericht über die Zeitfahretappe gebracht worden ist. Es besteht also durchaus die Hoffnung, dass auch hier nach einer Veränderung des Radsports und eines progressiven Umgangs mit der Doping-Debatte und mit einem neuen, unbelasteten Fahrerfeld ein Umdenken statt findet. Schön wäre es, denn die Wiederholung der Etappe kam auf Eurosport leider erst um 00:45 Uhr.

Etappe 13: Tours - Saint Armand Montrond (173 km)

Auch die heutige Etappe ist wieder für die Sprintermannschaften interessant, wenn nicht wegen der Erschöpfung des Feldes ein Ausreißer durchkommt. Es gibt auf dem Weg zum Ziel eine Sprintprüfung und eine Bergwertung der Kat. 4. Aber das sollte für die Fahrer keine besondere Schwierigkeit darstellen. Kurz vor dem Ziel kommt nochmal ein kleiner Hügel, der geeignet ist einem kämpferischen Fahrer die Möglichkeit zu bieten, dort nochmal vom Feld weg zu kommen.

Ich vermute, dass auch heute wieder schnell eine Fluchtgruppe weggelassen wird, die man an der langen Leine hält. Die Etappe heute wird langsamer sein, den Durchschnitt von 50 km/h für die erste Rennstunde wird man heute nicht erreichen. Aber die Ausreißer werden zeitgerecht wieder eingeholt. Auch heute gibt es ein Massensprint-Finale, geschweige denn ....

Es besteht die Möglichkeit dass kurz vor dem Ziel ein Badoneur wie Chavanell, Gilber, Voeckler oder auch Jens Voigt, nochmal einen Ausreißversuch unternehmen wird. Aber das wird nur passieren, wenn die Sprintermannschaften das Tempo nicht hoch genug halten können.

Schön wäre das schon und vor allen Dingen sehr spannend, aber ich vermute, dass die Sprintermannschaften dies nicht zulassen werden.

Und der Zieleinlauf? Es gibt schon einige die spekulieren auf einen Generationswechsel und sehen Kittel als den neuen Favoriten auf der Zielgerade. Aber man sollte Cavendish nicht unterschätzen. Der Mann ist erst 28 Jahre alt. Er ist zwar offensichtlich in diesem Jahr nicht so explosiv wie in der Vergangenheit, aber abschreiben sollte man ihn nicht. Sagan hat klar das grüne Trikot im Visier. Wenn sich nicht die absolute Gelegenheit bieten wird, peilt er wieder einen dritten oder vierten Platz an, der ihm genügend Punkte einbringt, er aber nicht seine Kraft verpulvern muss. Greipel, eigentlich aus meiner Sicht der stärkste Sprinter sollte auch wieder vorn mitmischen. Also tippe ich mal:

Cavendish vor Greipel und Kittel, dann Sagan.

Best Regards

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Leider nicht gesehen ...

Donnerstag 11 Juli 2013 um 11:02

Leider, leider habe ich gestern das Einzelzeitfahren nicht sehen können. Und die Wiederholung um 0:44 Uhr war mir einfach zu spät. Ich kann daher nur aus der Konserve leben. Mein Glückwunsch geht auf jeden Fall an Tony Martin, den ich auch im Vorfeld bereits als Gewinner dieses Zeitfahrens gesehen habe. Aber auch Froome konnte seine Kontrahenten weiter deklassieren. Die Abstände sind größer geworden, und werden sich, wenn nichts außergewöhnliches dazwischen kommt, auch bis zum kommenden Wochenende nicht verändern. Denn erstmal geht es flach weiter.

Etappe 12: Fougeres - Tours (218 km)

Heute ist wieder der Sprintertag, eine Flachetappe in das französische Innenland steht bevor. Zwar ist die Strecke wellig, aber es gibt keine Bergwertungen. Lediglich eine Sprintwertung steht auf dem Programm.

In Tours, wo sich normalerweise auch zum Ende der Saison die Sprinterteams treffen, geht es nicht auf die klassische Ziellinie, auf der der Eintagesklassiker ausgetragen wird. Aber trotzdem werden in Tours alle Voraussetzungen für eine Massenankunft vorhanden sein.

Wieder ein Tag für Greipel und Kittel? Nun ja, Cavendish ist bei dieser Tour noch nicht richtig zum Zuge gekommen. Die Schlappe gestern im Zeitfahren macht ihn sicherlich auch nicht glücklich. Und die Urin-Attacke gehen ihn wird ihn nochmal mehr eine unheilvolle Stimmung gebracht haben. In der Vergangenheit haben solche Ereignisse ihn immer wieder zu Höchstleistungen angestachelt.

Beim Zeitfahren gestern hat sich die Mannschaft von Orica auch dezent zurückgehalten. Auch Orica hat einen Sprinter im Team, der bisher noch keine Möglichkeit bekommen hat, mit seiner Mannschaft einen Zug aufzubauen. Sollte das ein Zeichen sein, dass Matt Goss sich vorbereitet?

Und wie sieht es mit Sagan aus? Noch führt er die Wertung des grünen Trikots an, die Punkte der Zwischensprints bei den ersten Etappen auf Korsika lassen ihn noch führen. Könnte er mit einem weiteren Sieg in der Punktewertung soweit davon kommen, dass die anderen Sprinter aufgeben?

Nun ja, Greipel und Kittel haben sich sehr stark gezeigt, Greipel hat nach dem Ausscheiden von van den Broeck die gesammte Mannschaft für sich. Und er ist der erste Verfolger von Sagan. Daher mein Tipp:

Greipel vor Cavendish, Kittel, Sagan und Goss dahinter. Wir werden es erleben.

Best Regards ;-)

Deutscher Doppelsieg

Mittwoch 10 Juli 2013 um 00:49

Ist das zu glauben? Da denkt man, nach der ganzen Doping-Affaire und dem Ausstieg des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus der TdF-Berichterstattung liegt der deutsche Radsport am Boden, und dann so etwas.

Ein deutscher Doppelsieg mit Fahrern aus zwei verschiedenen Mannschaften! Und so ist es dazu gekommen.

Wie ich vermutet hatte wurde eine Ausreißergruppe schon früh weggelassen, alles Fahrer die für die Gesamtwertung nicht von Bedeutung sind. Sie wurden an der langen Leine laufen gelassen, aber man hatte keine Absicht sie irgendwie durchkommen zu lassen. Die Sky-Mannschaft um Froome konnte sich heute ein wenig zurücklehnen und abwarten, denn bei dem Profil war es mehr als wahrscheinlich, dass schon früh eine der Sprintermannschaften die Nerven verlieren, und die Verfolgung aufnehmen würde. Und so war es auch! Aber nicht nur Lotto Belisol sondern auch Argos Shimano hetzten den Ausreißern hinterher. Die Jungs haben sich wacker geschlagen, wurden aber zeitgerecht eingeholt. Danach ging die Hatz los, mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Immer wieder wechselten sich die Sprintermannschaften ab und versuchen sich und ihren Sprinter in eine bessere Position zu bringen.

Die Gewinner sind die Mannschaften von Lotto Belisol und Argos Shimano. Cavendish ist in einer hinteren Position. Froome hat sich an das Hinterrad von Greipel geklemmt, lässt sich jedoch nach links zurückfallen, als er merkt, dass der Endsprint losgeht. Sagan ist in Lauerposition dahinter, läuft jedoch Gefahr eingeklemmt zu werden. Ganz vorn ist der letzte Anfahrer der Lotto-Belisol-Mannschaft, der sich umschaut. Dahinter Greipel, dann ein Argos-Shimano-Fahrer, und dahinter Kittel. Cavendish fährt hinter Kittel.

Dann geht es los, Greipel geht nach links raus und nutzt das Sprinterloch um mit höchster Geschwindigkeit an seinem Anfahrer vorbei zu gehen. Zeitgleich geht Kittel nach links raus und nimmt ebenfalls volle Geschwindigkeit auf. Er fährt auf das Hinterrad von Greipel zu. Der Argos-Anfahrer nimmt Fahrt raus, bleibt aber in seiner Spur. Cavendish hat die falsche Idee und will rechts an dem Argos-Anfahrer vorbei. Eine ähnliche Situation gab es schon vor ein paar Tagen. Da musste er einen dicken Schlenker fahren und verlor so den Anschluss. Diesmal versucht Cavendish frühzeitig wieder einzuschären und touchiert den Argos-Fahrer, der daraufhin zu Fall kommt. Alle nachfolgenden Fahrer, darunter Sagan, müssen ausweichen. Kittel fährt in den Windschatten von Greipel ein, der plötzlich auf ein Stück Kopfsteinpflaster auffährt. Das Hinterrad von Greipel fängt an zu springen und er muss mit seinem Körpergewicht weit nach hinten gehen um zu verhindern, dass er den Kontakt zum Boden verliert und stürzt. Kittel bekommt die Situation besser in den Griff und geht links an Greipel vorbei. Alle anderen Fahrer, einschließlich Cavendish sind abgehängt, denn keiner kommt mehr richtig in den Sprint. Das Ergebnis: Der deutsche Doppelsieg mit Kittel als Etappensieger. Unglaublich!!!

An dem Zielsprint hat Tony Martin für seinen Sprinter Cavendish nicht beteiligt. Und das aus guten Grund, denn morgen ist das erste Einzelzeitfahren.

11. Etappe: Avranches - Mont Saint Michel, Einzelzeitfahren über 33 km

Offensichtlich hat sich Tony Martin so gut nach seinem Sturz erholt, dass er morgen das Einzelzeitfahren gewinnen will. Deshalb hat er sich heute geschont. Morgen geht es um eine andere Disziplin im Straßenradsport. Das Einzelzeitfahren, bei dem die Fahrer auf futuristischen Zeitfahrmaschinen schnellstmöglich die Distanz von 33 km zurücklegen müssen. Dabei sind sie auf sich allein gestellt, es gibt kein Windschatten.

Die Reihenfolge ergibt sich aus der aktuellen Platzierung, die vom letzten Platz an startet. Deshalb wird Froome der letzte Fahrer sein.

Unter den Fahrern des Gesamtklassements gibt es viele gute Zeitfahrer, insofern stellt sich die Frage, ob ein Spezialist wie Tony Martin oder einer der Fahrer des Klassements gewinnen wird. Ich bin Idealist und denke, dass Tony Martin trotz seiner sicherlich noch nicht abgeheilten Verletzungen gewinnen wird. Zweiter Contador, Dritter Froome, vierter Evans. Ich bin gespannt!

Best Regards ;-)